Mit “Live & Seele” zurück zu dir. Zufall, dass der Albumtitel “Live & Seele” einen Moment lang den Finger in die Wunden der Zeit legt, als Kunze, Grönemeyer, Wolf Maahn noch ein Maß vieler (un)gerechter Dinge waren? Und ist es seit dem Referenzwert “Rosen im Asphalt” als 3-fach-Vinyl nicht eigentlich verboten, auch nur einen einigen schwachen Moment lang an die Rückkehr der Deserteure zu verschwenden? Der ewige Reflex nach Wolf Maahns ultimativer Begleitkombo. Da stehen wir nun also mitten in 1986 als Kunze “Mit Leib und Seele” um die intellektuelle Vorherrschaft in der BRD rangelte. Während Macker-Maahn, ganz sich selbst treu, ein bisschen größenwahnsinnig die oben erwähnte Live-Box auf den Schulhof kickte. Nur: Die hatte es mal richtig in sich oder anders gesagt: Mehr, außer Bruce Springsteens 5er-Box, ging zur selben Zeit nicht.
Für “Live & Seele” ist Wolf Maahn 2016 ins Kölner Gloria gegangen. Vielleicht, weil einer wie er auf und aus scheinbar sicherem Heimat-Terrain die größte Herausforderung zieht. Vielleicht auch, weil Essen und die Grugahalle, der Rockpalast sowieso nicht so furchtbar weit um die Ecke sind. Momente in Wolf Maahns Karriere, die nachhallen, denen er sich mal enthält, denn “Direkt ins Blut” fehlt tatsächlich in der Tracklist. Oder die, wie “Die Sucht der Träumer”, “Wunder dieser Zeit” und “Ich wart’ auf dich”, auf dem ganz kurzen Dienstweg die Brücke zurückschlagen und den wilden Maahn zitieren. Dagegen steht aus jüngerer Zeit irgendwo in Deutschland (nicht nur) die Vielfalt der Arten in den “Vereinigte Staaten” als dankbar doppelbödiges Statement. Wolf Maahn: Ohne die Deserteure am 17. März in der Markthalle. (kel)
