Jetzt vergesst doch mal “Über den Wolken” und die grenzenlosen Freiheiten. Ist durch, will man nicht mehr hören, kann man weiterskippen. Und der da auf dem Cover ist auch nicht der deutsche Lou Reed. Dass Reinhard Mey dennoch die Mutter vieler Liedermacher unseres Landes ist und bleibt, hat schon ganz schön viele “Jahreszeiten” überdauert.
Ja, wir sprechen tatsächlich über den Reinhard Mey, der mit “Gute Nacht, Freunde” in keiner Fernsehshow der Siebziger fehlen durfte. Moment? Waren das nicht eigentlich die Inga und der Wolf? Ja, waren. Vorne zumindest. Und wer mal hinhört, versteht nicht nur zwischen den verrauchten Zeilen, was das mit Erich H. aus Pankow zu tun gehabt haben könnte. Na? tricky, oder?
Dass Mey dabei auch immer wieder Kritik an die eigenen politischen Reihen zu richten wusste, mag dem dickköpfigen Liedermacher geholfen haben, manche Freundesspreu vom Weizen zu trennen. Das alles gilt es nachzuhören auf der exquisiten Sammlung “Jahreszeiten 1967-2013”, die gleich mehrere Jahrzehnte deutscher Chanson-Kultur umspannt, von Orpheus’ Gesängen am “Zeugnistag” über “Mein Apfelbäumchen” in “Das Narrenschiff” springt, nur um am Ende eine mögliche Finissage im “Spielmann” zu erleben. Als gäbe es nicht noch so unendlich viel mehr auf diesen drei CDs, DVDs und Büchern zu entdecken. 8. Oktober 2014 | CCH (kel)