… ein Fettes Brot-Album – so groß wie ein Fettes Brot-Album!
Nun ist das neue Album von Fettes Brot “schon ein paar Tage alt. Sorry – wir wurden nach einer kurzen Eingewöhnungsphase voll in den Partysumpf gesogen, waren feiern ohne Ende, wurden durchgewirbelt, haben uns vor jedem Großflächenplakat mit den drei bunten Zeichen in Hamburg auf den Kopf gestellt, dabei immer die “Klaus &”-Cap auf – haben endlich mal wieder uns selbst und das Leben gespürt.
Schluss mit den gehaltvoll sinnvoll stilvoll aufgeladenen textlastigen Raptracks, mit denen uns Fettes Brot seit Mitte der 90er zum Nachdenken inspiriert und uns gezeigt haben, dass wir mit unseren Gedanken und Gefühlen nicht allein sind auf dieser Welt. Damals haben wir zusammen Spiderman in New York getroffen, waren mit Schiffi im Weltall, haben uns Frikadellen ans Ohr reden lassen und fett definiert. “3 sind 2 zuviel” hieß es da noch. Genau: Wir sind zusammen aufgewachsen, es gab nur uns selbst und Fettes Brot. Und jetzt?
“Wenn du ihr zuhörst und sie respektierst, dann kannst du viel viel Spaß mit ihr haben. Allerdings wenn du ihr nicht zuhörst und sie nicht respektierst….” (“Josephine Schreibaby”).
“3 is ne Party” – zugegebenermaßen ging das erstmal nicht ohne Berührungsängste. Diese verwegenen Partyfotos, das ungehemmt wild fliegende Konfetti in der CD-Hülle, Bierdeckel! Und dann diese Singleauskopplung “KussKussKuss”. Beim ersten Durchhören drängte sich der Gedanke auf, die Band hat sich ein Lexikon der Jugendsprache und einen Synthie mit programmierten Disco-Melodien geschnappt und Lieder gebaut aus so Sätzen wie “Und alle so yeah” (“Dynamit & Farben”), “Tanz den dicken Griechen” und “Mach die Eisprinzessin” (beides aus “Kalte Füsse”)…äh ich meine…hä? Stopp. Stimmt! Schaut man mal genauer hin, haben wir schon immer zusammen gefeiert. Mit “Emmanuela” und “Meh Bier” zum Beispiel, von “Jein” und “Nordisch by Nature” ganz zu schweigen. Fettes Brot sind nämlich diejenigen, die ansagen was im Lexikon der Jugendsprache steht. Nicht andersrum. Und das Konzept der Platte ist Party. Durch und durch. Die Kampagnen dazu genauso. Vielleicht spielen uns die drei was vor, vielleicht sind sie jetzt so. Ist doch egal – diese vertrauten Stimmen und Gesichter und die gewohnt sehr gute Qualität von allen Dingen, die sie uns an die Hand geben überzeugt. Die Platte zu hören macht riesen Spaß und Fettes Brot zeigen ungekünstelt, dass sie selbst genauso viel Spass haben und vor allem das Zeug und das Selbstbewusstsein mit Unerwartetem zu überraschen.
Also doch keine “Wackelige Angelegenheit”, wie der Opener suggeriert. Der Einstieg erinnert ein wenig an “Können diese Augen lügen” und ist nicht die einzige Selbstreferenz auf dem Album. Immer wieder trifft man auf den good old Fettes Brot-Stuff, der so gut ist – nur eben auf Disco, Funk, Groove, Drumcomputer und Synthie. Herrlich selbstironische Texte mit viel Hamburg-Bezug. Es geht um Abrissparties, Nächte auf dem Hamburger Berg, die MoPo bleibt nicht unerwähnt, Deichkind erscheinen auf dem Foto in der Küche und die Brote plaudern über ihr Liebesleben in den Stadtvierteln der Hanse.
Und ganz so Schluss mit Nachdenken ist auch nicht, es gibt durchaus Feier-Ruhepausen auf dem Album (“Crazy World” und “Echo”), immer mit Bezug zu aktuellsten gesellschaftlichen Ereignissen und nie ohne die Aufforderung, das Leben nicht zu schwer zu nehmen. Auf den Tracks “Kannste kommen” (erinnert an eine ausgeschmückte Version von “Rave on” von Blumentopf …oder?) und “Toten Manns Disco” fühlt sich dann alles wieder nach Zweisamkeit im Partygetümmel an. Allein mit Fettes Brot – für immer immer.
Nicht ganz so allein wird’s live zugehen. Das Konzert am 30.12. in der O2 World ist ausverkauft. Das wird “3 is ne Party” hoch 10.000 – mindestens. Das Album und die Band sind Garanten für gelungene Live-Shows, die Jukeboxen auf dem Hamburger Berg haben endlich neuen Input.
Fettes Brot, ich hab 99 Probleme, du bist keins davon – was soll passieren, so lange wir uns lieben? (acr)