Das war der April! Ostern ist vorbei, die Eier sind gelegt, die Vinyl-Liebhaber hatten ihren Record Store Day und die Konzertgänger einen weiteren Monat voll großer Erwartungen, Perlen und Chancen. Hier nun die musikalische Rückschau auf den letzten Monat:
*** Chuck Ragan & The Camaraderie (7.4., Große Freiheit 36) Skinny Lister äußerst unterhaltsam, Chuck Ragan sehr bärtig und etwas moppelig, aber das tut seinen klassischen Songwriter-Songs keinen Abbruch. Den Vergleich mit dem Meister Springsteen kann man natürlich nicht bringen, aber eine Tendenz ist zu erkennen… (eh)
*** Matthew Caws (10.4., Molotow Sky Bar) Nada Surf machen ein neues Album und Sänger Caws tourt schon mal ein bisschen. Warm-up für das Husum Harbour Festival – als wenn er das nötig hätte. Bewaffnet mit Laptop (für den Wind!) und Gitarre gibt es 1,5 h Nada Surf (und ein bisschen Minor Alps) inkl. eines neuen Songs in etwas ruhiger als sonst und doch nie langweilig. Vorfreude auf Husum! (eh) *** July Talk (10.4., Molotow) Während es oben in der Sky Bar ruhig zugeht, erleben die glücklichen Anwesenden im Erdgeschoss einmal mehr die grandiosen July Talk. Schmutziger Bluesrock mit Pop-Appeal ist die halbe Miete, die andere hört auf die Namen Leah Fey und Peter Dreimanis, sind die Stimmen der Band, die sich während der ganzen Show auf der Bühne auf sehr unterhaltsame Art gegenseitig behaken. Schweißtreibende Sache, nicht nur für den Besucher, der dank seines selbstgemachten “Heisse Scheisse”-Shirts auf die Bühne zitiert wird, um dort auf leichte Tuchfühlung mit Sängerin Leah zu gehen. Dem Rest des Publikums reichen die Songs, die Show und der gut fliessende Whiskey von der Bühne aus. (nsc) *** Scott Matthew (10.4., Mojo Club) Der Australier verpackt Leid so musikalisch hochwertig, dass es zum Aushalten ist. Niemand covert so schmerzvoll gut wie Matthew. Das eigene Songwriting perfekt inszeniert mit Cello und Piano. Konzert des Monats. (tk)
*** Husum Harbour Festival (11.4., Speicher Husum) Wo Nada Surf (ob ganz oder teilweise) sind, da bin ich! Dennoch war auch der Abend des Festivals mit Talking To Turtles, Florian Ostertag und Projektor wirklich schön in dieser so liebevoll dekorierten Location im hübschen Husum. Über Scott Matthew mag man hingegen streiten – Nicht jedesmanns Sache. Am Sonntag dann Frühstück mit den Bands und endlich das Konzert von Matthew Caws inkl. Päuschen in der Sonne – was für ein schönes Wochenende! (eh) *** Gentleman (11.4., Sporthalle) Wenn die Zuschauer auch nach zweieinhalb Stunden die Halle nicht verlassen möchten, sondern noch immer mehr Zugaben rufen, dann kann der Künstler nicht sehr viel falsch gemacht haben. Gentleman spielte ein berauschendes Konzert, hatte mit Tanya Stephens eine Legende als Gast und sang “Dem Gone” und “Superior” am Ende einfach mal mitten im Mob. (mf) *** Dune Rats (11.4., Prinzenbar) Die Australier wollen uns zeigen, wo das Känguru hüpft. Das gelingt ihnen auch ganz respektabel. Es rockt und knallt und allein die wilde und kurzweilige Mimik des Sängers war es wert, mal reinzuschauen. (cR) *** The Last Things (11.4., Molotow) The Last Things spielen im Rahmen der Motorbooty-Party ein (nach) Mitternachtsset: Hamburger Jungs machen eine Art Musik, zu der bereits unsere Eltern vor Bühnen kniend und mit den Fäusten auf den Boden dreschend ihren Rock’n’Roll-Lifestyle zelebrierten und interpretieren diese dabei ganz frisch und modern für das Hier und Jetzt. Großartig! Immer wieder gern. (cR)
*** Still in Search (12.4., Knust) Doof, wenn der Hauptact, für den man Support sein wollte, abspringt. Aber Still in Search lassen sowas nicht auf sich sitzen, übernehmen die Knust Bar, vergrössern die Bühne, stocken die Lichtanlage auf und zelebrieren ein Konzert, als wär die Bar ein Stadion. Zweifellos sind SIS eine der besten Livebands der Stadt, in den kantigen Rocksongs blitzt dabei immer öfter ein wenig Popappeal auf. Anfang Juli folgt mit ihrer “The Grand Circus Show” das nächste Projekt, über das wir hier noch ausgiebig berichten werden. Stayen sie tuned. (nsc) *** Owen Pallett (14.4., Kampnagel) Live-Mitglied von Arcade Fire?! War mir bis dato gar nicht klar. Owen Pallett alias ehemals Final Fantasy bezaubert mit Geige, Klavier (Keyboard) und Stimme. Wundervolle Songs, lustiger Typ, toller Abend. (eh) *** Owen Pallett (14.4., Kampnagel) Es könnte sein das an diesem Abend mit Violinklängen Herzen geheilt wurden und durch Loops Wunden sich schlossen. Auf jeden Fall gingen alle lächelnd nach Hause. Danke Meister Pallett. (tk)
*** Wolfgang Müller (16.4., Hasenschaukel) Ein neues Album möchte vorgestellt werden. Es heisst “Auf die Welt”, ist sehr schön und enthält neue, typische Wolfgang Müller-Songs. Live in Trio-Besetzung gibt es das neue Material, plus am Ende ein paar ältere Songs. Schöner Abend, wenngleich Herr Müller gern ein bisschen vorbereiteter hätte sein können. (nsc) *** Dan Mangan (17.4., Uebel und Gefährlich) Das neue Album ist super, es wird sehr viel davon gespielt, dazu aber auch ein paar ältere Songs. Und dank des wunderbar klatschfreudigen Publikums auch noch “Robots” am Ende: Perfekt! (eh) *** Dan Mangan+Blacksmith (17.4.) Blacksmith stehen jetzt ganz eng zu Dan Mangan, denn das neue Album ist unter dem gemeinsamen Namen erschienen und wird ausgesprochen spielfreudig auf die Bühne gebracht und vor einem begeisterten Publikum zelebriert. Zwischendurch immer wieder ein paar Klassiker und am Ende massiver Choreinsatz des Publikums. Wunderbar! (nsc) *** Social Distortion (17.4., Sporthalle) Legende sein schützt vor Durchschnitt nicht. Mike Ness und Co. spielten in der viel zu schlecht besuchten Sporthalle viel zu selten wirklich ganz groß auf. Denn “Ring Of Fire” und “Don’t Drag Me Down” reichen nicht, um ein viel zu routiniertes Auftreten auszugleichen. Und trotzdem hätte man seinen Freitagabend nicht besser verbringen können … (mf)
*** The Migrant (18.4., Devil Duck Records/mairisch Verlag) Am Plattenladentag, einem sonnig-süßen Samstagnachmittag, mitten in Eimsbüttel. Zwischen Platten und Büchern spielte Bjarke Bendtsen alias The Migrant, ein paar alte und neue Stücke. Die halbe Band hatte er in einem Percussionkoffer verstaut und zusammen mit seiner Gitarre bespielte er das vollgestopfte Ladenbüro. Irgendwie trotz dänischer Herkunft, London-Saturday-Sun-Feeling. Schön. (tk) *** Jenny Wilson (20.4., Kleiner Donner). Fängt zu spät an, weil die Vorband ausfällt und der Sound ist fürchterlich. Nur mäßig gefüllt der Keller, nur mäßig begeistert die Gäste. Was war los mit Jenny? 70 Minuten sind auch ein bißchen wenig, und wo waren die Hits? Schade. (tk)
*** Sarah and Julian (Spaceman Spiff-Support, 22.4., Knust) Vor einem guten Jahr erschienen Sarah and Julian erstmalig auf meinem Radar, als sie Gäste bei Gisbert zu Knyphausens Heimspiel in Eltville waren. Ein gutes Jahr später sind die Geschwister nach Hamburg gezogen, nehmen ihr Debutalbum in London auf und machen wunderbar verträumte Popsongs, an diesem Abend von Nils Dietrich (sonst in Enno Bungers Band) am Schlagzeug unterstützt. Da wächst etwas ganz wundervolles heran (zu bewundern am 7.5. in der Hasenschaukel)! (nsc) *** Spaceman Spiff (22.4., Knust) Wenn Hannes Wittmer zum Konzert ruft, dann kommen die Menschen. Auch diesmal. Er gerade aus Neuseeland zurück, das Knust restlos ausverkauft und alle hatten ihre Tanzschuhe mit. So soll es sein. Zusammen mit seiner Praktikantin Clara am Cello einmal wieder ein großartiges Spaceman Spiff-Konzert. (sm) *** Torpus & the Art Directors + Helgen (23.4., Gruenspan) Die Besucher im proppevollen Gruenspan erleben zunächst Hamburgs neue Hoffnung Helgen. Spitzensongs, tolle Texte, große Performance. Torpus danach mit Hausschaf Wolfgang und den Songs des neuen Albums “The Dawn Chrous”, deutlich rockiger dargebracht, als auf dem Album, und natürlich ein paar Klassikern des Vorgängers. Wollen wir mal hoffen, dass dies nicht der einzige Auftritt in diesem Jahr bei uns gewesen ist. (nsc) *** Kasper Hedegreen (24.4., Theaterkasse Schumacher) Nach der jährlichen Lesung zur Einstimmung auf das Roskilde Festival spielt der auf die Füsse gefallene Hedegreen aus Christiania/Kopenhagen seine wunderbaren Songs. Akustisch vor textsicherer kleiner Fangemeinde. Das Debut-Vinyl findet mit kreativen signings guten Absatz. Und das Zusatzkonzert tags drauf im Aalhaus macht erneut glücklich. All the luck, Kasper! (dis)
*** Circa Waves (25.4., Molotow Club) Herrlich, richtig schön in-die-Fresse Indie-Rock von blutjungen Briten. Anwesende fühlten sich zwanzig Jahre jünger. Sehr kurzweilig, aber die können es und dürfen das. Bravo. (tk) *** 1000 Gram (26.4., Molotow Karatekeller) Irgendwie sprang der Funke nicht rüber, gute Band, aber etwas fehlte. (tk) *** Tocotronic (26.4., Mojo Club) “Das Rote Album” möchte einige Tage vor der Veröffentlichung präsentiert werden, Tocotronic füllen aber nur etwa ein drittel des Abends mit den neuen, durchweg guten, Songs. Der Schwerpunkt ist ein Querschnit durch die Bandgeschichte. Von “Freiburg”, über “Du bist ganz schön bedient”, “Aber hier leben, nein danke”, “Die Grenzen des guten Geschmacks 2” oder “Mein Ruin”: Alles wird mitgesungen und abgefeiert. Man darf gespannt sein, wie das in der Sporthalle funktionieren wird (17.10.), hier war es jedenfalls großartig. (nsc)
*** Andreas Moe (28.4., Knust Bar) Der junge Schwede spielt seinen ersten Headliner-Gig in Hamburg. Ausverkauft. Der Künstler ist gerührt und kann es kaum fassen. Schöne Lieder über gebrochene Herzen und die große Liebe, für die Freundin und über das Leben. Die Stimme ist wundervoll, die zusätzlich zu Gitarre und Mundharmonika eingesetzte Basedrum gibt die nötigen Akzente. Alles prima, nur ich persönlich bin nicht so recht berührt, wie ich es mir gewünscht hätte. Andreas Moe ist es hingegen umso mehr und mit einem breiten Grinsen den Tränen nah, als die zahlreich in den ersten Reihen stehenden jungen Mädchen lauthals, textsicher und wunderschön seinen Hit “Oceans” mitsingen. Toller Mo(e)ment! (cR)
