Junge, was für ein Ding, was für ein Album. Rising Insane haben vor einigen Tagen “Afterglow” releast – und das ist einfach mal ein Brocken. Musikalisch, klar, die Bremer zocken abwechslungsreichen, sehr atmosphärischen Metalcore, mal brachial, mal eingängig bis euphorisch, immer voller Leidenschaft und Intensität. Passend dazu sind auch die Inhalte genau das: intensiv. Emotional. Persönlich. Es geht um die an Brustkrebs gestorbene Schwester, um Depressionen, Zusammenhalt und Hoffnung. Im Info zum Album sagt Rising Insane-Sänger Aaron Steineker:
Ich schreibe immer genau über das, was mich beschäftigt. Dadurch habe ich gemerkt, dass ich einfach noch nicht gesund bin. Mir ging es mental unfassbar schlecht, ich hatte die typischen Symptome einer Depression. Ich bin zum Arzt gegangen, der hat mich dann zu einer Psychologin überwiesen. Genau um diesen Prozess geht es auf ‚Afterglow‘ – zu erkennen, dass mit einem immer noch etwas nicht stimmt, wie man dabei denkt, wie man sich mental und körperlich fühlt – es repräsentiert den Weg, den ich seit ‚Porcelain‘ gehen musste.
Am 24. Februar 2022 spielen Rising Insane mit Deez Nuts im Logo. Wir haben Aaron drei Fragen dazu gestellt.
Auf eurer Tour im kommenden Jahr werden die Leute vor der Bühne mal wieder mächtig austicken und euch feiern. Wie passt das mit den sehr ernsten, persönlichen Texten zusammen und wie fühlt sich das als Musiker an?
Man arbeitet in allererster Linie ja genau auf diesen Moment hin, in dem man seine Musik live vor Publikum präsentiert. Das persönliche Feedback über Kanäle wie Instagram oder Facebook bedeutet uns wirklich viel, aber live aufzutreten ist das, wofür wir leben. Wenn ich vor einem Song erkläre, worum es geht und wie ich mich fühle, kommt das beim Publikum an und es entsteht vor und während des Songs irgendwie eine gewisse Energie , die sich gegenseitig überträgt- das ist großartig.
Vielleicht eine blöde Frage: Aber wie sehr achtet man während einer Shows auf die eigenen Texte und Inhalte und hört der eigenen Musik zu und wie sehr muss man sich auf’s Singen und Spielen konzentrieren? Wie sehr stehen im Vergleich dazu die Zuschauer, die Stimmung und das große Ganze im Fokus?
Ich kann gar nicht genau sagen, ob ich oder wir uns auf irgendwas Bestimmtes bei einer Show fokussieren. Ein Konzert ist so beladen von verschdienen Eindrücken, Momenten und Emotionen, und alles folgt so schnell aufeinander, das es wie eine Achterbahnfahrt ist und man am Ende gar nicht mehr weiß, was genau alles passiert ist. Bei den Songs, die wir bisher live gespielt haben, gibt es gewissen Stellen, bei denen ich oft sehr melancholisch werde, wie zum Beispiel am Ende von “The Summary”. Da fallen dann schwere Sätze wie “I have travelled through paradise/ but found myself in a hell”, womit ein Urlaub in Süd-/Ostasien gemeint ist, in dem ich nach langer Zeit zur Ruhe gekommen bin unddann plötzlich dem ganzen Schmerz und Leid gegenüber stand, was durch den Alltagsstress bis dahin erfolgreich verdrängt werden konnte. Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt absolut nicht abschätzen, wie das mit den neuen Songs von “Afterglow ” wird, aber ich bin mir sicher, dass es wirklich emotionale Konzerte werden und dass das auch beim Publikum ankommt.
Wie wird es wohl mit den Deez Nuts? Kennt ihr euch schon persönlich und mit welchen Erwartungen geht man auf so eine Tour?
Bisher haben wir zu Deez Nuts keinen direkten Kontakt gehabt, das lief alles über Dritte. Die Beziehung beruht also bislang erstmal auf gegenseitiger Wertschätzung und gehen (hoffentlich) mit diesen Vorzeichen gespannt auf die gemeinsame Tour. Was innerhalb eines Monats in einem Nightliner alles passiert – darüber machen wir uns höchstens aus Spaß Gedanken, aber wirklich einschätzen kann das niemand.
