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    Die Welt von morgen lässt sich nicht planen. KLAN auf der Flucht nach vorn.

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    By Taya on 14. Juli 2019 Interview, Konzert-Tipps

    “Im Zelt mit KLAN“ geht nicht nur online, sondern auch offline. Und zwar mitten im Sommer oder eben das was man in Hamburg darunter versteht. Irgendwo zwischen feucht fröhlich und einer feinen Brise machen KLAN der eh so schüchternen Sonne Konkurrenz und beehren uns am 25. Juli beim Sommer in Altona. Und getreu ihrem neuen Format natürlich stilecht im Zirkuszelt am Nobistor. Uns verrieten sie was im Urlaub ein No Go ist, warum fliegen nur alle 10 Jahre so medium cool ist und wie man schüchtern und gefährlich zugleich aussehen kann. Klingt komisch? Lest selbst:

    Wie aufregend waren die First Take Sessions auf eurer Reise durch Frankreich? Gab es hier ein Highlight?
    Stefan: Ich glaube, wir sind vergleichsweise wenig aufgeregt, wir haben musikalisch großes Vertrauen zum anderen. Brudersein hat da manchmal auch was Gutes. Hehe.
    Michael: Wir haben viele schöne Orte kennengelernt. Z.B. haben wir einmal in einem Waldstück eine verwunschene Ruine entdeckt, von der wir erst später erfahren haben, dass es die Tribüne einer ehemaligen Pferderennbahn von vor 100 Jahren war.

    Wie sieht der perfekte Urlaub für euch aus? Gibt es No Gos im Urlaub oder bei der Reiseplanung? 
    Michael: No Go: 4:30 losfahren. Hab ich letztens gemacht, mach ich nie wieder. Perfekter Urlaub ist entspannt, warm und mit dem Zug erreichbar, ich flieg jetzt nämlich nur noch alle 10 Jahre.
    Stefan: Urlaub mit Freunden! Paar Tage raus in die Natur ist mir gerade am liebsten. No Go ist für mich Zelturlaub, das mach ich nur noch aufm Festival! Ich hab Bock auf einen gewissen Grundkomfort, wenn ich mir schon nen Urlaub gönne.

    Was war eure prägendste Alltagsbegegnung? 
    Stefan: Mir ist auf ner Tanzfläche ein Typ entgegengekommen und hat gesagt, dass ich zu gleichen Teilen schüchtern wie gefährlich aussehe. Das fand ich irgendwie sweet und fand mich in dem Moment gut beschrieben und keine Ahnung, wie ich gerade drauf komme, aber es ist irgendwie hängengeblieben. Wie ein versetzungsgefährdeter Schüler.

    Michael, vor kurzem hast du Häuser besichtigt, um sie mit Freunden zu bewohnen. Was bedeutet Freundschaft für euch?
    Michael: Meine Freunde sind mir extrem wichtig. Freundschaft heißt für mich, solidarisch und verständnisvoll miteinander zu sein. Und das über viele Jahre.

    “Im Zelt mit KLAN”. Wie ist die Idee entstanden?
    Michael: Es ging auf den Sommer zu und wir hatten Bock auf ein neues Format und ich hab mich gefragt, wie man das mit wenig Equipment und Aufwand filmen kann. Und dann sah ich da mein Zelt.

    Wieso widmet ihr euch in dem Format Cover Songs statt politischen oder sozialen Themen, die ihr in eurer Musik und auf Social Media so stark vertretet? Wie spannend wäre es bitte, wenn ihr einfach einen Alltagstalk mit Menschen, z.B. mitten in der Stadt im Zelt starten würdet?
    Michael: Hmmmm, keine schlechte Idee…

    Was würden wir erleben, wenn wir einen Tag durch eure Köpfe reisen würden?
    Michael: Selbstzweifel und kluge Gedanken. Meistens zusammen.
    Stefan: Bei mir auch viele unausgesprochene Gedanken. Ich habe zu vielen Dingen Positionen, bin aber abwechselnd feige oder höflich genug, sie für mich zu behalten. Und sonst schon auch genügend Heuballen, die einsam durch die Steppe rollen.

    Michael, auf Instagram sagtest du mal, dass du oft zu nah an deinen Ängsten und Zweifeln bist. Was macht dir Angst und wie löst du dich davon?
    Michael: Mir macht vieles Angst: die Erderwärmung, Trumps Außenpolitik, die Landtagswahlen in Sachsen und was das alles mit meinem Leben macht. Ich weiß nicht, ob ich ein Kind in eine Welt setzen will, von der ich nicht weiß, ob sie in 50 Jahren noch bewohnbar ist. Am einfachsten ist dann, mich abzulenken, am nachhaltigsten hilft mir aber die Flucht nach vorn: mit Leuten darüber reden, auf Demos zu gehen, mein Leben ändern. Natürlich habe ich aber auch einfach Angst davor, ein schlechter Künstler zu sein oder ein schlechter Freund, da ist wirklich einiges am Start.

    Ihr nehmt oft kein Blatt vor den Mund.  Wie empfänglich seid ihr selbst für Kritik?
    Michael: Wir kritisieren uns vor allem viel selbst, das können wir gut.
    Stefan: Uns hat noch nicht viel Kritik erreicht, als Musiker. Insofern immer ran damit, ich glaub, ich fänds gar nicht schlecht.

    Welche Themen werden auf eurem zweiten Album zu finden sein?
    Michael: Die Suche nach Vorbildern, das Älterwerden, Liebe, (Bruder-)Streit. Aber wir spoilern mal noch nicht zu viel.

    Gibt es auch ein Thema, welches euch besonders bewegt und vielleicht sogar eines, vor dem ihr Respekt habt?
    Michael: Wir probieren seit einiger Zeit einen Song über Klimaschutz zu schreiben, aber irgendwie ist das einfach zu schwierig. Geht aber allen so, glaube ich.

    Interview: Tanja Kilian

    Foto: Dorothea Dittrich

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