Noel Helno de Loureacqua Rota ließ einst 1991 die ausverkaufte Große Freiheit 36 überkochen. Und alle, die an jenem Abend vor so vielen Jahren anwesend waren, werden die ebenso verschwitzten wie verzweifelten und frenetischen fünfzehn Minuten Schlussapplaus wohl nie vergessen. Niemand verlässt den Ort, selbst als das Saallicht es eigentlich befiehlt.
Les Négresses Vertes galten seinerzeit (und bis heute) als die französischen Abgesandten und StellvertreterInnen der Pogues. Ein simpler aber keineswegs krummer Vergleich. Und wenn die beiden Hammeralben “Mlah” (1988) und “Famille Nombreuse” (1991) diese These nicht alleine aus der Konserve vermitteln, dann tun es die Konzerte der vier Gründungsmitglieder plus doppelt zahlreicher Verstärkung ganz sicher schon immer. Konzertabende, die sich in ihrer Spannung nur sachte steigern, dafür am Ende aber vollends kontrolliert aus dem Ruder laufen. Polka, Walzer, Chanson, Flamenco, Folk, Ska und Raí¯ mit einer passgenau gerechten Form von Punk-Attitüde sind der heißeste Scheiß. Sogar Massive Attack bespielen die Single “Face í la Mer” mit artgerechter Tiefe.
Noel Helno de Loureacqua Rota, der einst 1991 die ausverkaufte Große Freiheit 36 überkochen hat lassen, war seinerzeit kein sehr viel längeres Leben mehr beschieden. Am 22. Januar 1993 starb Helno im Alter von 29 Jahren an einer Überdosis Heroin. 1991 in der Großen Freiheit war er im Saallicht nach der Viertelstunde Applaus noch zurückgekommen. Les Négresses Vertes: 17. September in der Fabrik. (kel)
