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    Interview: Körner

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    By Taya on 26. Mai 2018 Interview, Konzert-Tipps, Nochtspeicher

    Die Genderfrage erhält seit Jahren in der deutschen Popmusik ihre klare Definition. Glaubwürdigkeit sucht man hier vergebens. Dieses Nordlicht reiht sich da nicht ein und distanziert sich von dieser Selbstinszenierung. Nicht zuletzt durch sein eher untypisches Männerbild, das durch weiche Züge gebrochen wird. Körner räumt mit Oberflächlichkeiten auf und setzt seine Karte ganz auf´s echt sein, sich kopfüber reinstürzen. Wer in seinen Song “Gänsehaut” reinhört, wird wissen wovon wir reden.

    Seine brandaktuelle Single “Bist du da (da da)” sowie das anstehende Debütalbum stellt er uns am 9. November im Nochtspeicher vor. Zuvor spielt er am 26. Juli eine kleine Support Show bei Wincent Weiss im Stadtpark. Zum Einstimmen trafen wir den bescheidenden Musiker auf der Zeitreise von Unheilig + The Dark Tenor und sprachen mit ihm nicht nur über die Facetten der Liebe, sondern auch warum er zu Universal wechselte. Aber lest selbst.

    Einer deiner Songs heißt “Liebe niemals out” – was bedeutet Liebe für dich und welche Formen unterscheidest du?
    Liebe ist für mich das, was uns Menschen im tiefsten Inneren auszeichnet. Sie findet sich in tausend Facetten wieder, aber sie alle gehören zusammen. Egal, ob es körperliche Liebe ist oder man einfach nur für jemanden da ist, ohne etwas zu erwarten. Dadurch definiere ich mich. Es gibt kein anderes Wesen auf dieser Welt, was in der Lage ist, das zu fühlen was man Seele nennt. Wir können sowohl Hass als auch Liebe empfinden. Das Verrückte ist ja, dass wir jeden Tag die Wahl haben, was wir in die Welt senden wollen. Mit beidem kann man alles erreichen.

    Wie sendest du Liebe in die Welt?
    Wenn ich auf die Bühne gehe, möchte ich, dass die Menschen am Ende des Konzertes nach Hause gehen und glücklich sind. Wenn sie dann am nächsten Morgen aufstehen und sich sagen, die Welt ist schön und nicht so düster, wie sie scheint, dann ist das für mich diese Liebe, von der ich rede, oder besser, singe.

    In deiner neuen Single “Bist du da (da da)” findet die Frage nach dem Sein einen Platz. Was fasziniert dich am Leben?
    Die Erkenntnis, dass unser kurzes Gastspiel namens Leben unendlich kostbar ist. Es ist eine Verschwendung einfach in den Tag hinein zu leben, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Wenn du dich heute betrinken willst, tue es. Wenn du heute jemanden lieben willst, tue es. Und wenn du heute meinst, du wirst die Welt verändern oder hast ein Projekt, was einfach völlig größenwahnsinnig ist, aber du willst es wagen, dann tue es einfach.

    Musik begleitet dich von klein auf. Wieso steht erst jetzt dein Debütalbum an? Und welche Rolle spielen die Produzenten von Achtabahn dabei?
    Das war ein verrückter Weg. Ohne darüber nachzudenken warum, habe ich schon immer Musik gemacht. Anfangs spielte ich in kleinen Bars und auf Straßen, später in einer Funk und Soul Band, mit der wir durch die Gegend getourt sind. Dieser Plan ein Album herauszubringen, eine Botschaft über alle Kanäle zu senden, kam jedoch erst als ich die Jungs von Achtabahn kennen lernte. In der Produktion sind wir ein Trio. Die Texte kommen zwar aus meiner Feder aber im Studio ergänzen wir uns gegenseitig, inhaltlich und musikalisch. Ohne darüber zu sprechen, entwickeln wir die gleichen Ideen, Botschaften und das gleiche Gefühl. Das war für mich das Schlüsselerlebnis um zu sagen, ja, jetzt muss es passieren.

    Weshalb hast du Sony Music den Rücken gekehrt und bist zu Universal Music gewechselt?
    Sony machte uns ein gutes Angebot, am Ende lagen wir in der künstlerischen Vision aber leider sehr weit auseinander, was ich zu spät gemerkt habe. Schon bevor wir auf meinen Wunsch wieder getrennte Wege gegangen sind, hatte Universal schon ein Auge auf mich geworfen und kam danach auf uns zu. Von Anfang an lag dort ein anderes Gefühl in der Luft. Ich habe das große Glück, von einem Team betreut zu werden, dass die Idee hinter Körner lebt und mit mir gemeinsam kämpft. Dabei verbiegen sie mich nicht und lassen mir alle künstlerischen Freiheiten. Das ist schon sehr besonders.

    Die heile Welt deiner Kindheit hat Kratzer und gleicht eher einem zerrissenen Papier. Wie hat das deine Musik geprägt?
    Ich wäre kein Musiker, wenn das nicht so wäre. Man hat viele Hindernisse, die man überwinden muss und jeder versucht seine Ausdrucksform in der Welt zu finden. Meine ist die Musik. Um diesen Ballast, den man mit der Seele herum trägt, zu verarbeiten, habe ich früh angefangen Gedichte zu schreiben. Auch gesungen habe ich als Kind schon immer, laut gegen die Wand, gegen den Spiegel oder in die Luft. Erst später am Lagerfeuer habe ich als Jugendlicher festgestellt, dass alle still werden und zuhören, wenn ich anfange zu singen. Da habe ich dann erstmals verstanden, dass ich da vielleicht etwas kann, was besonders ist.

    Auf der Bühne wirkst du extrovertiert, dein Privatleben hältst du jedoch bedeckt. Bist du generell ein Freund von Anonymität?
    Das ist für mich kein Widerspruch. Ich bin einfach kein Freund dieser oberflächlichen Pseudo-Nahbarkeit. Fakt ist, wenn ich mich nicht bedeckt halten würde, gäbe es am Ende eine Form der Selbstinszenierung. Und das bin nicht ich. Es ist albern sich für etwas Besseres zu halten und sich größer zu machen als man ist. Wer mich aber kennenlernt, weiß, dass ich keine Berührungsängste habe. So anonym bin ich also nicht, nur in den Medien halte ich mich zurück.

    Was unterscheidet dich von anderen Künstlern, wieso stichst du heraus?
    Puh, jede Antwort die ich hier geben würde, wäre arrogant und vermessen. Ob und wie ich heraussteche und ob meine Musik besonders ist, das ist eine Frage die jeder Zuhörer für sich beantworten muss.

    Interview: Tanja Kilian

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