Das weiße Wasser ist ausgetrunken. Wahrscheinlich war genau das auch dringend notwendig als Flüssigkeitsausgleich angesichts der mutmaßlich unzählbaren Tränen auf dem The Slow Show-Debüt “White Water”. Ausgetauscht sind auch die stets mäandernden Im-Nirgendwo-Referenzen zwischen Tindersticks und Lambchop’s Kurt Wagner. Sowieso alles nur ein fragiler Teil der ohnehin nicht einmal halben Wahrheit. Womit wir bei “Dream Darling” wären, das schon nach ein paar Sekunden das erste Mal über den Schwarzweißen Tasten kollabiert, nur um sich hernach mitten hinein zu schrauben in die nächste tragische Verfremdung (“Strangers”). “Ein wohlklingender Zusammenbruch” befand das Feuilleton der “Frankfurter Allgemeine” im schönen Mai 2015. Das galt noch für den Vorgänger und bleibt doch 2016 ein wunderbarer, mitunter orchestraler Status Quo. Nach 5:15 Minuten die erste Erschöpfung also. Chapeau, das kann ja heiter werden.
The Slow Show wären vielleicht nicht sie selbst, wenn nicht mit “Hurts” gleich niemand geringeres als der Schlüsselmeister zur Hölle warten würde. Sonor lächelnd in den zutiefst möglichen Abgrund an der Hand von Reiseführer Rob Goodwin und seinen vier Lotsen. Richtig klar gesehen wird selten, irgendwas ist eigentlich immer zwischen den Metaebenen Crowd und Cloud. Wie kann übrigens solch großes Besteck in den Arrangements trotzdem noch derart kompakt stehen? Und wie kommt es, dass Goodwin, wenn er “… there is no ordinary life” immer und immer wieder repetiert, es fertigbringt an Billy Idol in einer dessen deutlich besseren Nächte zu erinnern?
The Slow Show spenden Trost, als sprühten heißes und kaltes Wasser exakt zweitgleich aus der Dusche auf die vergessene tickende Uhr an deiner nackten Haut. Volles Rohr auf geschundene Seelen, mit einem gleichzeitigen, hoffnungsvollen Leidensdruck aus der Leitung, der sich (au, weia) gewaschen hat. The Slow Show spielen am 17. November im Knust. Bringt Wasser, Taschentücher und Wein. (kel)
