“Genau in diesem Ton.” und nicht anders kommt das neue und stärkste Album von Jennifer Rostock daher, da am vergangenen Freitag erschien. Ein musikalisches Feuerwerk und Statement zugleich. 13 Songs, bei denen keiner dem anderen gleicht und die eher einem großen Cocktail aus Schmerz, Wut und Zweifel ähneln. Eine geballte Ladung Authentizität und Humanismus, ja genau das steckt drin im neuen Album!Man kann halten was man will von dieser Band, egal wie laut und eigenwillig sie schreien oder wie viel Schnaps sie trinken, sie sind immer dabei ein Zeichen zu setzen. Der eine sieht es, der andere würde wohl alle übersehen. Der Gewohnheit treu geblieben, schreien sie gerade mit “Hengstin” ihre Stärke heraus und bringen das Recht auf Gleichberechtigung deutlich zum Ausdruck.
“Ich bin kein Herdentier, nur weil ich kein Hengst bin / Ich bin ne Hengstin”
“Ich kann mich verkaufen / Macht mich das zum Produkt / Wem gehört mein Körper, wenn ihn die Zeitung druckt / Wie viel darf ich zeigen und wofür soll ich mich schämen”
Während beide Songs etwas lauter daher kommen, ist einer der schönsten Songs direkt dazwischen. “Deiche” der eher leise Vertreter, der sich mit dem immer wiederkehrenden blutigen Fallen und den damit ausgelegten Spuren befasst. Melancholie aufgebaut auf all den Anstrengungen mit einem hoffnungsvollen und vor allem einsichtigen Hauch im Klang, in dem die Feinheit ihrer Stimme nochmal ordentlich Beachtung findet. Aber neben der Gleichberechtigung, geht es für die Band auch weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. “Was sind Pässe auf Papier” und was sagt das über uns aus? Immer ein kritisches Auge auf die Gesellschaft, “den einzelnen Menschen” und die vorgelebten Werte, die nur zum Schubladendenken führen.
“Es gibt kein Brot für die Welt / Wir verschlucken uns am Kuchen / Und solang die anderen böse sind gehören wir zu den Guten”
Wer ein langweiliges Album sucht, ist hier definitiv Fehl am Platz. Tanzen ist angesagt und endlich mal den Mund aufmachen, denn die Welt ist nur so gut, wie wir sie tatsächlich machen. Ob schwarz, weiß, dick oder dünn. Letztlich sind wir alle gleich, wie Jennifer Rostock immer wieder laut betonen! “Genau in diesem Ton.” ist ein sehr mutiges Album, das nicht nur durchzogen ist von Stärke und lauten Tönen, sondern auch die ganz leisen unter die Haut gehen lässt. Frei von jeglichen Genrespielregeln. (tki)