“Was schiefgehen kann, geht schief”. So oder zumindest so ähnlich lautet die viel zu oft überlieferte Weisheit nach Murphy. Zu behaupten, in Matthias Arfmanns bisherigem künstlerischen Werdegang (Kastrierte Philosophen, Turtle Bay Country Club) seien alle Wege stringent von A nach B verlaufen, wäre glatt gelogen. Jetzt: “Ballet Jeunesse”. Früher schon: Herbert von Karajan-Remixe. Schiefgeh-Faktor I: Man wollte und will sich die Arbeit an der Erlangung von Rechten solcher Klassiker nicht vorstellen.
Trotzdem schaffte es Arfmann für “Ballet Jeunesse” in einem Jahre andauernden Prozess, Werke von Bizet, Tschaikowsky, Strawinsky, Debussy und weiteren mehr in die Gegenwart zu transformieren. Mittels Arrangements aus, Schiefgeh-Faktor II, eingeflochtener Elektro-DNA. Und über die Brücken diverser kreativer literarischer und anderer Handlanger wie Onejiru Schindler, Peter Imig, Milan Meyer-Kaya, KRS One, Jan Delay, Schorsch Kamerun oder Kele Okereke. Was für ein hübsches erzählerisches Buhei, allerdings erst als gefühlte Zugabe am Ende des Albums.
Ein bisschen benötigt “Ballet Jeunesse”. Will zwischen “Romeo und Julia” erobert und umgarnt werden, ziert sich kokett um sich selbst in verschiedenen Momenten, nur um an anderer Stelle umso packender auf den Punkt zu kommen. Witz an der ganzen Sache: Versatzstücke wie den “Säbeltanz” oder “Carmen” will auch von Arfmann eigentlich niemand mehr erleben. Trotzdem wird aus dem fröhlichen Handgemenge all der frühen Komponisten eine recht fluffige Playliste oder Spielwiese, wie selbst Spotify sie nicht annähernd hätte destillieren können. Wie auch? Ein glatter Fall für den Musikunterricht und Erklärbären wie Schorsch Kamerun. Wenn der mal so richtig loslegen dürfte.
Aufgeführt wird “Ballet Jeunesse” am 21. September im Rahmen des Reeperbahn Festival im Schmidts Tivoli. (kel)