Geknüppel und Raserei von erlesenen Interpreten vorgetragen, oder anders gesagt: Heavy Fucking Metal im geilen Lineup. Das war auch dieses Jahr wieder die Essenz des Elbriot. Kein Camping, kein Jahrmarkt, nur puritanische Kulisse und ein knappes Dutzend fantastischer Bands, die den langen Fußmarsch von der Bahnstation bis hinter die Großmarkthallen für die 15.000 Besucher lohnenswert machten. Immerhin läuft man auf Asphalt und nicht knietief im Matsch, wie mit etwas Pech auf Wacken.

Dafür ist der Bierpreis der gleiche. Vier Euro für 0,4l ist heftig, aber leider nicht außergewöhnlich. Und was will man machen, wenn man die ganze Geschichte nicht stocknüchtern erleben will. Klar, man könnte einfach deutlich weniger trinken… ebenso könnte man auch Metal deutlich leiser spielen. Machen kann man aber sehr wohl etwas gegen die horrenden Essenpreise. Drei Euro für Pommes, vier Euro für eine Grill-Krakauer im kleinen Brötchen, fünf Euro für eine Falafel-Box mit drei Bällchen drin – das sind Frechheiten, die man mit einem mitgebrachten Lunchpaket bestens umgehen kann. Fairerweise muss man hinzufügen, dass das keine Ausnahme war, sondern mittlerweile auf den meisten Festivals ein Missstand ist. Aber jetzt Punkt. Kommen wir zum Wesentlichen: das eingangs erwähnte Geknüppel und die erlesenen Namen: Slayer, At The Gates, Sabaton, Paradise Lost, Steel Panther, Testament, Fear Factory, Powerwolf, Asking Alexandria, Nasty, Carcass und Mastodon standen diesen Jahr auf dem Programm und tatsächlich auch auf der Bühne. Keine Ausfälle. Naja, zumindest auf Bandseite nicht.
Ein paar der Leutchen haben sicherlich nicht viel mehr als Testament mitbekommen, die am Freitag das Ding eröffneten. Tja Pech, kein “show me your Titten” für euch. Bei Steel Panther dauerte es nur zwei Songs lang bevor sie Obiges forderten. Trotz gerade mal einer Stunde Spielzeit zogen sie ihr komplettes Schwanz-Witze-Programm durch und gingen zu “17 Girls” wie immer mit einer Menge ziemlich junger Mädels auf der Bühne in den Vollkontakt. Die Jungs müssen dermaßen viele Feinde unter den Vätern dieser Welt haben. Aber sie haben’s drauf. Die Show ist immer wieder geil. Perfektes Glam-Hairspray-Transen-Gepose, bekannte Gassenhauer wie “Asian Hooker” zum Hirn Ausschalten und Mitgröhlen – also alle Gründe, weshalb man auf ein Steel Panther Konzert geht. Ebenso sind Panzer auf der Bühne und fette Pyro gute Gründe, um auf ein Metal-Konzert zu gehen. Sabaton hatten diese Gründe am Start und waren am Freitagabend ein echtes Highlight. Das Drum-Podest ein Panzer mit fetten Geschützstellungen rechts und links, der Bühnenboden vermint mit Pyroeffekten und die Band selbst, Sabaton halt. Mit aller Epik und allem Bombast. Konnte ja nur großartig werden und war es auch. Dazu perfektes Sommerwetter und hammer Stimmung im Publikum. Besser geht’s nicht.

Lauter geht’s aber. Das war das einzige kleine Manko am Freitag. Man hätte dem Publikum ruhig etwas mehr Föhnung geben können. Immerhin, das wurde am Samstag korrigiert. Nach dem Motto “goes up to eleven”. Ordentlich laut brachten Nasty, Fear Factory und die großartigen At The Gates der Menge das Schwitzen bei. Zu Paradise Lost hat dann irgendwer Wolken bestellt, was eine super Sache für alle war, die – wie der Autor – keine Sonnencreme besaßen (warum kann man sowas dort eigentlich nicht kaufen?) und bereits am Vortag von der Sonne ein Haut-T-Shirt verpasst bekommen hatten. Der Carcass-Frontmann Jeff Walker stellte irgendwann nach einigen Songs jedoch trocken fest: “You call this festival Elbriot, right? Well, at the moment there’s more riot even in my pants.†Hart aber gerecht. Die ausgelassene Euphorie, die Sprechchöre, Gesänge und Circle Pits vom Vortag fanden am Samstag deutlich spärlicher statt. Zumindest bis zu Slayer. Da waren die Leute wieder in Topform. Mit den aktuellen Genickbrechern “Repentless” und “You Against You!” bis runter zu alten Klassikern wie “Angel Of Death” macht man Headbanger glücklich.
Eine gute Idee auch, den Sonntag showfrei zu lassen. So kann der Metalhead all die Glückshormone und das Metyl abbauen, bevor er sich wieder dem realen Leben stellen muss. Eines aber bleibt: Die schönen Erinnerungen, die Vorfreude aufs nächste Jahr und die Hoffnung, dass das Lineup wieder so geil und die Organisation wieder so top wird. (df)
