Keine Ahnung, was ich schreiben soll. Was daran liegen könnte, dass ich gerade eigentlich gar nicht schreiben möchte. Ich möchte dieses Album hören. Und ich möchte es in eine Schublade stecken. Damit ich dann schreiben kann: “Die klingen wie”. Wie man das bei neuen Bands eben gerne macht. Damit sich jeder einen Eindruck machen kann, damit jeder weiß, worum es hier geht.
Ich möchte dieses Album aber auch hören, weil es so verdammt großartig ist. Und weil es mit jedem Durchlauf kein bisschen schlechter wird. “…sondern vom Mut, mit dem du lebst” kann man und muss man ganz oft hören. Zuhören, genießen, merken, mitsingen. Also manchmal und natürlich leise. Immer dagegen muss man irgendwas bewegen. Hals, Fuß, Finger, komplett egal. Es groovt einfach tierisch, es nimmt einen mit, es gibt einen ein gutes Gefühl, dieses wunderbare, dieses so aufregende Album.
Lyvten kommen aus der Schweiz und dieses ist ihr erstes Album. Mit Sänger Thorsten Polomski aber haben sie einen alten Hasen an Bord, Thorsten Polomski war früher bei den ebenfalls ziemlich sehr famosen Chaoten von Bubonix. Aber. Lyvten klingen nicht wie Bubonix.
Wie sie aber klingen? In welche Schublade sie gehören? In alle und in keine. Echt jetzt. Denn kaum denkste, du hast sie, hauen sie mit dem nächsten Song direkt wieder ab. Uneinfangbar sind sie. Unbeschreiblich auf ihre eigene Art und die der anderen. Love A, Herrenmagazin, Muff Potter, Captain Planet. Jedenfalls manchmal, hier und da ein bisschen. Für eine grobe Richtung reicht es, für eine erste Orientierung.
Zwölf Lieder sind auf diesem Album, das auf Twisted Chords erscheint. Und in diesen zwölf Liedern zeigt diese Band so viel und macht so viel. Mitreißendes wie “Zeitlos in der Gegenwart”, Euphorisches wie “Weisse Pyramiden” (die Schweizer haben kein “ß” …), Hektisches wie “Hanawon”. Musik, zu der man nicht still sitzen kann, der man aber trotzdem zuhören möchte.Plötzlich dann aber kommt die Ruhe, Trägheit (“So leer”) und Verzweiflung (“Fenster in der Schräge”) und Punk wie er sonst aus Hamburg kommt (“Polaroid”). 39 Minuten toben sich Lyvten aus. Keine einzige möchte man verpassen, jede einzelne möchte man öfter hören, ganz oft hören. Und das ganze Album möchte man live erleben. Am 26. Oktober spielen Lyvten im Hafenklang. (mf)
