Was Tante Cicarelli in Bologna getrieben hat, dürfte sich mittlerweile überall herumgesprochen haben: Amore, klar. Es hat ein wenig gedauert, bis sich die Qualität des Debutalbums der Österreicher von Wanda überall verbreitet hatte und sie plötzlich jeder sehen wollte. Doof nur, dass zu diesem Zeitpunkt längst Tour-Termine über das ganze Jahr gebucht waren und die Band das vergangene Jahr deswegen größtenteils auf der Autobahn zwischen eher kleineren Locations und ein paar Festivals verbracht hat.
Was erstaunt: “Amore” ist noch nicht einmal ein Jahr auf dem Markt, da erscheint trotzdem schon heute der Nachfolger, der auf den Namen “Bussi” hört. Erst die große Liebe, dann nur noch ein Küsschen? Nun ja, ganz so ist es dann doch nicht, aber zum Album der Woche haben es Wanda bei uns damit nicht geschafft.
Schlecht ist “Bussi” nicht: Mit “1, 2, 3, 4” beginnt die Platte mit einem Mitgröhlsong, der schon lange seinen ausgiebigen Livetest hinter sich hat. Selbiges gilt für den Über-Ohrwurm “Meine beiden Schwestern”, der just veröffentlichten zweiten Single, und den dritten Track “Bussi Baby”, der vorab ausgekoppelt wurde und, wenn man ehrlich ist, mit seinem repetitiven Refrain ganz schön schnell, ganz schön nerven kann. Danach wird es dann leider ziemlich fad.
Die Songs ziehen am Hörer vorbei und kaum etwas bleibt hängen. Vom cleveren Mix des Debuts zwischen Rainhard Fendrich, E.A.V. und Falco ist wenig geblieben. Zeitweise bekommt man den Eindruck, hier wurden Songs verbraten, die es aus Qualitätsgründen nicht auf “Amore” geschafft haben, was auch die erneuten textlichen Bezüge zu Bologna (“Nimm sie wenn du’s brauchst”) und Amore, das in “Alarm!” mit einem gar furchtbaren “dideldideldi” eingeleitet wird, erklären könnte. Mit “Das wär schön” zeigt Bandchef Michael Marco Fitzthum dann doch nochmal, dass er gute Lieder schreiben kann, bevor auch die letzten drei Songs eher ereignislos vorbeigleiten.
Wie oben schon geschrieben: Schlecht ist “Bussi” nicht, doch das Album kann das hohe Level des Debuts leider nicht halten. An dem muss es sich aber nach so kurzer Zeit noch messen lassen. Schwer zu verstehen, warum man so einen Schnellschuss hinterherjagt, aber vielleicht brauchte man einfach mehr Material für die anstehende große Tour. Die führt Wanda am 29. Februar 2016 in die Große Freiheit 36. Tickets gibt es ab sofort, zum Beispiel bei der Theaterkasse Schumacher. (nsc)
