Habt ihr es schon mitbekommen? In den letzten Tagen ist das Wetter immer besser geworden und niemand jammert mehr über Kälte, Dunkelheit und Winter-Blues. Und mit dem Frühling startet dann auch die Festival-Planung. Sind die Tickets schon gekauft?! Wurden neue Künstler bestätigt?! Wo ist überhaupt mein Zelt geblieben?!
Wie in jedem Jahr beginnt die Festival-Saison für viele Indie- und Electronica-Liebhaber in Neustrelitz, an der Mecklenburgischen Seenplatte. Seit 2000 lockt das Immergut Festival am letzten Maiwochenende des Jahres mit guter Musik, witzigen Lesungen und viel Liebe zum Detail.
Bisher bestätigt wurden u.A. schon Trümmer, Von Spar, Erlend Oye (Ex-The Whitest Boy Alive), Element Of Crime und The/Das. Auch das Hamburg-Urgestein Gereon Klug (Hanseplatte) wird aus seinem aktuellen Roman Low Fidelity vorlesen.Wer es jetzt schon nicht mehr abwarten kann, der sichert sich am besten schnell ein Ticket, denn das Immergut Festival ist jedes Jahr ratzfatz ausverkauft.
Wir sprachen mit Stefanie Rogoll aus dem Immergut-Team über die “deutsche Indie-Hölle”, ihre ganz persönlichen Festival-Highlights und die familiäre Seite des Immergut Festival.
Wann kam bei dir dieses Jahr das Gefühl, auf ein neues Festival hinzuarbeiten, statt das letztjährige Festival nachzubereiten?
Nach dem Festival folgt für mich immer ein kleines Beschäftigungsloch – plötzlich ist keine unangenehme Menge an Emails mehr im Postfach und man schrickt nicht dauernd zusammen weil man denkt man hat etwas entscheidendes vergessen zu planen. Das ist in etwa so im Juli und August. Ab September geht es dann wieder langsam los mit der Planung einer neuen Ausgabe. Wir sind ein ehrenamtlich arbeitender Verein und machen das Festival alle mit viel Engagement in unserer Freizeit. So ist das Immergut eigentlich immer irgendwie präsent.
Was war in den letzten Jahren dein ganz persönliches Highlight auf dem Immergut Festival?
Es sind immer wieder die musikalischen Neuentdeckungen, die man bei uns im Team teilweise auch gar nicht so auf dem Schirm hat und unsere Booker manchmal nicht ganz versteht. Aber wenn man dann bei Future Islands im Zelt steht, dann weiß man schon, dass es genau die richtige Entscheidung war. Neben der Musik ist es für mich vor allem die Zeit davor wenn alles entsteht und es täglich mehr Helfer werden und am Ende tatsächlich ein Festival von Freunden für Freunde entsteht.
Thees Uhlmann nannte das Festival vor ein paar Jahren die “deutsche Indie-Hölle”. Was hälst du von dieser Aussage? Wieso ist es für Künstler gleichzeitig sehr besonders und sehr schwer, auf dem Immergut zu spielen?
Die Indieszene, wie man sie vielleicht noch aus den guten Zeiten des Converse-Revivals und Röhrenjeans kennt, gibt es in dieser Form heute vielleicht nicht mehr. Klar, jede Zeit hat ihre eigene Musik und dieser Wandel ist auch gut, sonst würde es ja auch langweilig werden. Die Kraft dieser Indieszene hat aber wahrscheinlich ausgelöst, dass das Immergut entstanden ist und wir immer noch daran festhalten.
Für die Künstler ist das Immergut Festival besonders, weil sie dem Zuschauer einfach sehr nah kommen können. Maximal 5000 Gäste und eine überschaubare Festivalfläche sind da schon sehr attraktiv. Die Besucher sind auch sehr unvoreingenommen und offen für neues. Sie nehmen sich die Zeit neue Musiker zu entdecken und lieben zu lernen. Auch Backstage kommen die Künstler in Kontakt und werden nicht abgeschirmt sonderbehandelt. So kommt es auch, dass die Künstler sich immer mal wieder unter die Festivalgäste mischen und zusammen andere Konzerte begeistert feiern.
Welchen Künstler würdest du gerne für das Festival buchen, wenn Geld keine Rolle spielt?
Ich habe schon so viele meiner Lieblingskünstler auf dem Festival gesehen, sei es als jahrelanger Besucher oder als Veranstalter, von denen ich niemals dachte, dass sie in das kleine Neustrelitz kommen würden. Viele Musiker kommen zu einem Bruchteil ihrer üblichen Gage zu uns, einfach nur, weil sie gut finden was wir machen. Ich finde, das ist eine gute Einstellung und so ist mir das doch viel sympathischer als jeder Headliner, der mit drei Nightlinern anreist und so viele Konzerte und Festivals wie möglich abgreifen möchte ohne sich einmal die Zeit zu nehmen Teil einer Veranstaltung zu werden.
Ihr seid bekannt für euer geschicktes Booking-Händchen und jedes Jahr stehen Newcomer auf den immerguten Bühnen, die wenig später ausverkaufte Tourneen spielen und von Pitchfork in den Himmel gelobt werden. Welche der bisher veröffentlichten Bands wird, deiner Meinung nach, noch richtig durch die Decke gehen?
Wartet mal die Live-Performance von Die Nerven ab, das ist eine Performance mit Charakter. Ganz gewiss.
Obwohl euer Festival seit Jahren ausverkauft ist. Wie sieht euer Rezept für ein rundum gelungenes Festival aus?
Wie ich schon erwähnte, ist es ein Festival für 5000 Freunde und das soll man auch spüren. Alles ist selbstgemacht und nicht von einer großen Marketingfirma durchdacht. Beim Immergut Festival soll man vielleicht zum ersten Mal im Jahr auf der Wiese sitzen, Baden gehen, Sonnenbrand bekommen und ein wunderbares Wochenende verbringen. Da gehört selbstverständlich Musik dazu, aber auch unsere Brötchen vom Bäcker und die liebevolle Gestaltung der Fläche.
Ihr wollt euch nicht vergrößern, obwohl die Karten jedes Jahr weggehen, wie warme Semmel. Warum ist es euch so wichtig, “klein” zu bleiben?
Nun zum einen ist es ein recht simpler Grund: die Fläche gibt nicht mehr her. Zum anderen schätzen wir diese familiäre Atmosphäre sehr und wollen als Verein gar nicht das Risiko eingehen, so große Massen im Blick zu haben. Und eine gewisse Exklusivität macht ja für alle Sinn.
Zum Schluß noch eine Standard-Interviewfrage: Mit welchem Wort würdest du das Immergut Festival beschreiben?
Oh ein Wort ist schwierig … hmm … sagen wir, das Immergut Festival ist einfach immergut.
Interview: Hendrik Wonsak