Es war zu erwarten. Und es ist so passiert. Das neue Deichkind-Album tritt Arsch. Schon wieder und wieder richtig. Und so dermaßen, dass es sich recht souverän den Titel des Album der Woche sichert. Allerdings erst am Ende souverän und das nur dank des Langzeit-Tests. Denn anfangs macht “Niveau Weshalb Warum” nur Spaß und ist gut, haut einen aber nicht so wirklich vom Hocker. Wo ist die Euphorie, wo ist der Wahnsinn?
Nein, die ersten Durchläufe laufen überraschend unspektakulär durch. Klar, fett, witzig, aber eben typisch und nicht wirklich überraschend. Beats, Raps, Pop und Schabernack. Deichkind. Aber die Hits, wie es “Arbeit nervt”, “Illegale Fans” oder “Remmidemmi” waren und noch immer sind, die kommen einfach nicht.
Doch irgendwann kapiert man es dann. Auf “Niveau Weshalb Warum” gibt es auch nicht den Hit. “Niveau Weshalb Warum” ist der Hit. Ein großer ganzer, ein 47 Minuten langer Hit, aufgeteilt in 13 kleine Parts. In den Rap-Part mit dem Blick nach früher zum Beispiel (“So’ne Musik“), den Part zum falsch verstehen (“Like mich am Arsch”), den Radio-Part (“Denken Sie groß“), den Dancefloor-Kalauer-Part (“Was habt ihr?”), den monotonen Elektro-Monster-Part (“Mehr als lebensgefährlich”), den Calvin Harris-Part (“Porzellan und Elefanten”), den Sucht-Part (“Naschfuchs”: “Candy gegen Kummer, Bubblegum und Fanta, Popcorn gegen Panik, Gummibär’n statt Ganja”) und so weiter und so fort.
Es gibt keine Highlights und es gibt keine Enttäuschungen, es gibt ein tolles neues Deichkind-Album und es gibt 47 Minuten feinste, aber allerfeinste Unterhaltung. Die muss einen gar nicht an die Wand klatschen, die muss gar nicht neu sein, die ist auch so gut, sehr gut und sogar so gut, dass die Euphorie gar nicht anders kann, als aufzutauchen. (mf)
PS: live am 1. Mai in der o2 World Hamburg
