Das erste Album “Fliegende Fische” war für die Jungs und Mädels von Neonschwarz ein voller Erfolg. Nach ebenfalls erfolgreichen Konzerten in ganz Deutschland und der legendären Releaseparty auf der MS Stubnitz im Oktober, flatterte der Band auch noch die Doppelnominierung für den Hamburger Musikpreis HANS ins Haus. “Läuft bei Neonschwarz”, wie der geneigte, moderne Jugendliche jetzt sagen würde. Und weil es so gut läuft, kommen die vier Musiker am 6. März 2015 wieder zurück nach Hamburg, um nach der MS Stubnitz dann das Uebel & Gefährlich zu zerlegen. Genügend Gründe, der Band ein paar Fragen zu stellen.
Als Einleitung: Für die Promotion zum neuen Album habt ihr mit eurem Label Audiolith zusammen Ananasse an diverse Redaktionen verschickt. Warum ausgerechnet eine Ananas?
Generell dreht es sich in unserer Musik, aber auch zum Beispiel in unserem Artwork um Utopien, Träume und positive Lebensentwürfe. Ein schönes Leben für alle können wir uns sehr gut unter Palmen vorstellen, in dem es um die Bedürfnisse der Menschen geht, unabhängig ihrer Verwertbarkeit. Naja und zu einem karibischen Picknick unter Palmen gehört natürlich auch eine Ananas. Ist doch irgendwie besser als eine Möhre oder ne Kartoffel.
Wie lief der Arbeitsprozess zum neuen Album ab und wie lange habt ihr insgesamt daran gearbeitet?
Es ist ja unser erstes gemeinsames Album, nachdem wir Soloprojekte gemacht haben und als Neonschwarz eine EP und eine Single herausgebracht haben. Somit haben wir uns von Anfang an zu viert an den Tisch gesetzt bzw. uns in einem Häuschen im Wendland eingeschlossen. Wir sind recht konzeptionell an die Platte rangegangen, was den Titel und das Artwork angeht. So hatten wir von Anfang an einen roten Faden. Zum Ende der Aufnahmen – kurz vor Abgabe – wird es dann aber eh immer stressig, das lernen wir wohl nie.
Wie sehen Eure Pläne für die weitere Zukunft aus?
Zur Zeit spielen wir eine ausgedehnte Tour, die sich über die Bundesrepublik und Österreich erstreckt. Das Ganze geht bis in den März hinein und dann erwartet uns hoffentlich ein fulminanter Festival-Sommer. Zu einer neuen Scheibe können wir jetzt natürlich noch nichts sagen, außer dass uns die “Fliegenden Fische” sehr viel Schwung gegeben haben.
Bekommt ihr viel Feedback zu eurer Musik und wenn ja, wie fällt diese aus? Gibt es Unterschiede zwischen den Rückmeldungen aus der politischen Szene und von “normalen” Leuten?
Grundsätzlich haben wir sehr viel positives Feedback bekommen, was uns natürlich sehr gefreut hat. Wir mögen nicht so gerne die Schubladen aufmachen, “politischer Mensch” oder “unpolitischer Mensch”, denn das ist ja eine Sache, die wir bei Neonschwarz aufbrechen wollen. Wir finden es wunderbar, wenn ganz unterschiedliche Menschen zu unseren Konzerten kommen. Was aber auffällt, dass bei einigen unserer alten Fans ein Song wie “2014”, der explizit politisch ist, besonders gut ankommt. Viele neue Hörer und Hörerinnen steigen evtl. mit Songs wie “Hinter Palmen” ein, beides finden wir gut.
Ihr leistet für die Antifa-Szene einen wichtigen musikalischen Beitrag. Hättet ihr von Anfang an gedacht, dass ihr mal so einen Status erreichen werdet?
Musik kann natürlich nur einen kleinen Teil dazu beitragen, wenn es darum geht, Gesellschaft zu gestalten, Verhältnisse in Frage zu stellen oder Menschen zu helfen, die sich mit Gewalt durch Neonazis konfrontiert sehen. Jedoch bekommen wir oft die Rückmeldung, dass unsere Mucke den Leuten Kraft gibt, sei es auf dem Lande, wo sich Menschen mit Dorffaschos rumschlagen müssen oder sei es genauso in der Stadt, in der Jugendliche z.B. aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Also in unterschiedlichen Bereichen – ganz egal wo – können wir feststellen, dass die Songs Menschen Mut machen.
Wie ordnet ihr euch in der Antifa- und Rapszene ein?
Antifa ist cool, Rap ist auch cool! In der Antifa-Szene genau einordnen muss nicht sein und führt auch immer zu Abgrenzungen und Schubladen. Zur Rapszene können wir sagen, dass wir es super finden, dass mittlerweile viele interessante Rapper nachkommen, die sich nicht durch stumpfen Sexismus hervortun müssen, leider gibt es viel zu wenige Frauen in der Raplandschaft. Wir spielen da irgendwie mit, aber auch nur begrenzt, weil wir bestimmt einigen nicht passen und wir einigen auch gar nicht passen wollen.
Interviev: Felix Höger
