Hey, wer macht da einen Burnout auf dem Kirchenvorplatz? Ach, der Reverend Horton Heat! Ein guter Mann, der mit bürgerlichem Namen Jim Heath heißt und der in der Rockabilly-Gemeinde höchstes Ansehen genießt.
Seit der Bandgründung 1989 tourt der Rythmus-Gitarrist und Sänger samt Kontrabassist und Schlagzeuger unermüdlich um die Welt. Entdeckt wurde er einst übrigens ausgerechnet vom Grunge-Label Sub Pop. Mittlerweile zählt die Diskografie der Band elf Studioalben, und für das Neueste nahmen sich die drei Gringos ganze vier Jahre Zeit. Jahre des Wartens, die sich mehr als gelohnt haben. Das Werk heißt ganz einfach “Rev”, eine Doppeldeutigkeit mit “Revolutions”, dem englischen Begriff für “Umdrehungen”.
Das passt, denn der Name ist Programm. Dieses Album prescht vorwärts wie ein Dodge Charger auf dem Nascar-Oval, und es schleift den Hörer auch gegen seinen Willen mit. Es wird nie langweilig, denn jeder Song ist ein bisschen anders – mal purer Rockabilly (“Smell Of Gasoline”), mal mehr klassischer Rock’n’Roll (“Never Gonna Stop It”), mal Psychobilly (“Schizoid”), mal Surfabilly (“Zombie Dumb”), mal gnadenlose Country-Folk-Attacke (“Hardscrabble Woman”) und mal Johnny Cash auf Speed (“Longest Gonest Man”). Aber eines haben alle Songs auf “Rev” gemeinsam: Reverend Horton Heat setzen eine unglaubliche Energie frei und erzeugen eine Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann und deresgleichen man nicht oft findet. Mindestens eine handvoll der Songs sind mit so klebrigen Gesangs- und/oder Gitarren-Hooklines ausgestatt, dass genügend Ohrwürmer für eine ganze Woche im Kopf hängen bleiben.
Es sind zwar schwerwiegende Worte, aber je öfter ich das Album höre, desto weniger komme ich um die folgende Feststellung herum: “Rev” mit seinen 13 Tracks ist die geilste Rockabilly-Playlist, die ich jemals gehört habe. Und eine der geilsten Platten überhaupt. Sorry, Brian Setzer, ich will den Straycats nicht auf den Schwanz treten, denn ich liebe sie, aber weil mich Punk ein Mü doller zum Abgehen bringt als Swing, mache ich dieses Kompliment dem Reverend. (ds)
