Blumfeld trifft Pur? Das Pamphlet “Europas Sohn” weckt, gelinde gesagt, in seiner irgendwie fast kindlich-naiven Blickrichtung ein seltsames musikalisches, wie textliches Gefühl. Welchen Weg der alte Stoiker und Matthias Sammer der deutschen Muckergeneration “1980 und viele folgende” Heinz Rudolf Kunze auf “Stein vom Herzen” auch immer einschlägt: Der Biss von einst mag doch hoffentlich nicht für eine Resignation vor alten Idealen gewichen sein?
Und doch schwappt hier und dort ein unangenehm frösteln lassender Wellenkamm Selbstmitleid zu viel über den Deich der sozialgesellschaftlich unruhigen Seen. Man möchte Kunze doch nur einmal wieder so herrlich ans Schienbein treten, Baumgrenzen & Schamgrenzen ausloten, statt vergleichsweise harmlose Kirchentagslieder singen erleben. Geschichtlich geschulte Erlebnistouristen, die mal in die Zeit vor “Dein ist mein ganzes Herz” hören möchten, sind dazu ausdrücklich alle Alben vor 1986 empfohlen, als die ausführlichere Osnabrücker Antwort auf Maahn, Niedecken, Lage, Hartz, Lindenberg und Maffay zum Beispiel auf den Live-Thesen von “Die Städte sehen aus wie schlafende Hunde” einen ganz entscheidenden Deut tiefer das eingefrorene Deutschland der Achtziger aufbohrte. Fehlt denn dazu heute tatsächlich nur “Der schwere Mut”? Ab 24. Januar gibt es “Stein vom Herzen” übrigens auch in der Live-Version zu erwerben. Heinz Rudolf Kunze: 19. Februar | Große Freiheit 36 (kel)