Heilschabend? Deine Mudder bläst die Kerzen aus und es ist Zeit für ein bisschen unheilige Systemkritik während Rotwein und Braten den Magen auf links drehen? Wir haben hier den perfekten Soundtrack dazu: Der kommt direkt aus dem gerade tief verschneiten Österreich, geizt aber nicht mit verbrannter Erde, lodernden Geldbündeln (“Brenna tuats guat”) oder einfach hinreißendem Blödsinn (“Indianer”). Und wer jetzt Hubert von Goisern (15. März | Docks) siebzehn Jahre nach “Omunduntn” immer noch hinterwäldlerisch den “ewigen Alpenrocker” nennt, geht morgen beim Familien-Monopoly direkt ins Gefängnis.
“EntwederUndOder” tanzt zwar nach wie vor mit irgendwelchen Hüttenmaderln, spuckt aber auch mal direkt in die kochende Suppe oder holt sich den Blues aus dem Kernschatten der Berge (“Es is wias is”). Neue Volksmusik? Meinetwegen. Dass der immer noch bewundernswert aufgeladene von Goisern zuletzt 2009 mit Jazz-Gott Klaus Doldinger, gutem BAP-Gewissen, finsteren Haindling und dem allmächtigen Konstantin Wecker in der Bastelstube war, hat “EntwederUndOder” gut getan, ohne auch nur einen heimatliebenden jodelnden Jauchzer, das geliebte Akkordeon (“ÜUOÖ”) oder die unvermeidlichen Kuhglocken zu verleugnen. Fairsöhnlich und milde in seiner Wut. Wird nach dem nächsten Glas Hütten-Tee auch Mutti gefallen. Frohes Fest. (kel)