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    Album der Woche: Oh Wonder

    0
    By Nils on 4. September 2015 Album der Woche, Konzert-Tipps, Reeperbahn Festival 2015, Uebel & Gefährlich

    OhWonder_Artwork
    Am Anfang war ”Body Gold”, der allererste Song von Oh Wonder. Hochgeladen am 1. September 2014 auf Soundcloud und der Beginn eines moderneren Musikmärchens. Seitdem hat das Duo dort jeden Monat einen Song veröffentlicht und damit über 20 Millionen Plays erreicht. Bei Spotify sind die Zahlen ähnlich hoch und jeder einzelne Song erreichte hohe Platzierungen in den Hype Machine Charts.

    Oh Wonder, das sind die Londoner Josephine van der Gucht und Anthony West, die sich vor vier Jahren zufällig über den Weg liefen. Anthony, zu dieser Zeit noch bei der Band Futures, und Josephine, auf Solopfaden als Layla, unterwegs, begannen zusammenzuarbeiten, um ihr Songwritingtalent zu fördern, doch erst vor einem Jahr ging man mit dem ersten Song online. Dazu das Konzept, von nun an jeden Monat eines dieser Elektro-Pop-Kleinode veröffentlichen zu wollen, um genau ein Jahr später ein Debüt-Album folgen zu lassen.

    Das liegt seit heute vor und enthält sogar 15 Songs, die allesamt einem ähnlichen Konzept folgen: Sehr entspannter Elektrosound trifft auf durchgehend zweistimmigen Gesang, in dem ab und an R’n’B – Einflüsse auszumachen sind. Dazu Piano, kleine, versteckte Breaks, cinematische Samples, Störgeräusche, aber auch Pausen. Songs, die sich in manchen Momenten epochal hochschrauben, dabei aber immer ihre Ruhe bewahren. Es menschelt an allen Ecken und Enden, es wird persönlich und intim. Hier wird Nähe zugelassen. Die Stimmen sind weit in den Vordergrund gemischt, als säßen Josephine und Anthony neben einem auf der Couch, wo sie ihre Elektro-Pop-Balladen zusammenschrauben und direkt mit uns teilen. Stimmt ja auch fast. Nur, dass die beiden klassisch ausgebildeten Multi-Instrumentalisten in ihrem Appartment in London sitzen, ihre Songs selbst schreiben, aufnehmen & mixen und dann direkt in unsere Wohnzimmer laden.

    Durch diese Veröffentlichungstaktik konnten ihre Songs gedeihen. Jeder einzelne hatte vier Wochen Zeit, sich in die Gehörgänge der immer größer werdenden Zuhörerzahl zu fräsen und festzusetzen. Wer weiß, ob so wunderbare Kleinode, wie “Lose it” oder “All we do” in unserer schnelllebigen Zeit sonst nicht doch überhört worden wären?

    Schwer zu sagen, ob die 15 Songs die gleiche Wirkung entfalten, wenn man die Band erstmalig mit diesem Album entdeckt, denn auf den ersten Eindruck hin dürften sich einige Muster zu oft wiederholen, oder zumindest ähnlich klingen. Doch das täuscht: Es sind die Details, die entdeckt werden wollen, die diese Platte so besonders und vielseitig machen. “Die Songs handeln von uns Menschen, und von den Leuten, die in deinem Leben für dich da sind”, sagt Josephine. “Es geht darum, für die unterschiedlichen Leute und Beziehungen in deinem Leben dankbar zu sein.”. Das gilt ganz sicher auch für die, die uns so schöne Musik schenken.

    Oh Wonder spielen bislang nur wenige Gigs: London, Paris, New York. Wie gut, dass wir das Reeperbahn Festival haben, denn dort werden Josephine und Anthony bereits am 25. September auf der Bühne des Uebel und Gefährlich stehen und wir gehören damit zu den ersten, die die beiden live sehen dürfen. (nsc)

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