Zweite Halbzeit für Tonbandgerät. Und tatsächlich hat der Langspieler “Wenn das Feuerwerk landet” die passgenaue Länge eines halben Fußballspieles plus kurzer Nachspielzeit. Zu Beginn regieren ein verhaltenes “vielleicht” und Zweifel. Kein Knall, eher die Angst des Torwartes vor dem Elfmeter. Oder war es doch der Schütze? “Alles geht” begehrt dann bekanntlich das. Latent dramatisch wird es in “Ich komm jetzt heim”, das seine Nähe zum großen Orchestergraben nicht verhehlen kann und vor dem schon erlebten “Sekundenstill” etwas Kraft sammelt.
Antizyklischer Lärm und Unruhe folgen in “Der Fehler in mir”. Dämonen brechen sich den Weg und wer sich mit verpassten Chancen auskennt, selbst zur Reflektionsfähigkeit neigt und dafür keinen Spiegel benötigt, wird sich wiederfinden. Die dazu unaufdringlich eingepflegte Metapher aus dem Reich der Tiermorphologie ist an Empathie nicht zu überbieten. Danach werden Bits & Bytes zu analogen Gefühlen, läuft im Hintergrund irgendwas mit Madsen, leuchten Augen, quillt Glück, öffnen Kinosäle zum verweilen, fallen Sternschnuppen, landen Wassermoleküle auf der Haut und im “Ozean”. Kapitänspatent für Sänger Ole in Sachen Präsenz, die Crew versprüht tighte Melancholie aus humanen Hinterlassenschaften in tausenden Partikeln und ein mit sich ringendes, episches Finale treibt das Ende vor sich her.
Tonbandgerät nehmen nicht nur folgerichtig den nächsten logischen Schritt auf dem Papier der Schiffe aus früheren Zeiten. Nö. Kompositionen und Arrangements korrelieren ganz wunderprächtig mit dem Albumtitel. Songwriting, unprätentiöser Pop, Anspruch, nicht mehr 17 sein – ein mindestens ganz klarer Punktgewinn auf ganzer Länge mit zwei oder drei richtigen Volltreffern.
“Wenn das Feuerwerk landet” steht ab heute in den Läden. Als CD, LP und als limitierte Deluxe-Box mit CD, DVD und allerlei hübschem Bonuszeug. Als Download gibt es das Album selbstredend ebenfalls.
Live sind Tonbandgerät am 01. Mai (Ausverkauft!) und am 12. Dezember in der Großen Freiheit 36 zu erleben. (kel)
