Fabian Schuetze, Arpen und Friedemann Pruss – das sind a forest. Das Trio war mit seinem neuen Album “Grace” auf Tour und verzauberte mit den mal sanften, mal vorauspreschenden Electronica-Klängen das Publikum. Wir haben vor dem Abschlusskonzert im Kleinen Donner in Hamburg mit Fabian gesprochen.
Du hast in deiner Jugend Hip-Hop mit deutschen Texten gemacht, bei a forest singst du auf Englisch. Wie wichtig ist es euch, dass die Geschichten eurer Songs bei den Leuten ankommen und welche Rolle spielt die Sprachwahl dabei?
Fabian: Tatsächlich war es so, dass ich eine hohe Literaturaffinität habe und damals vom Schreiben – also Prosa, Lyrik und so weiter – zum Songwriting gekommen bin. Dementsprechend liegen uns die Texte natürlich sehr am Herzen. Arpen ist da ähnlich gestrickt. Wir stehen in einem ständigen Austausch und mögen es einfach, Geschichten zu erzählen. Welche Sprache das letztendlich ist, spielt keine Rolle. Das ist eher ein musikalischer Aspekt, das Englische lässt tatsächlich besser singen, erlaubt mehr Führung und mehr Melodie.
Ihr habt diese Meta-Geschichte über den Flagboy rund um das “Grace” gebastelt, so dass eine Art Konzeptalbum entstanden ist. Andererseits greift ihr mit der Plattform “i am a forest” genau den Trend auf, der gegen das Album als Gesamtwerk und eher pro einzelne Songs, Streams, Likes und so weiter geht. Was glaubst du, wie sich das Konzept “Album” entwickeln wird und wie wollt ihr damit umgehen?
Fabian: Der Konzeptalbum-Gedanke stand beim Schreiben gar nicht so im Vordergrund. Wir wollten vielmehr eine Haltung entwickeln, uns einen Rahmen schaffen und eine gemeinsame, homogene Sprache haben. Die Texte auf “Grace” haben etwas Zeitloses, es kommen zum Beispiel keine Handys oder Autos darin vor. Es geht um den Sound der Sprache. Und das ist dann eine Haltung, die nicht nur für das Album gilt – das ist auch eine Haltung von a forest insgesamt. Die Geschichten, die wir jetzt angefangen haben, werden wir auf jeden Fall weitererzählen.
Natürlich haben wir auch den Musikeranspruch, dass jeder Song für sich alleine funktioniert. Aber eben als in sich geschlossenes Werk, das trotzdem nie fertig ist. Man kann sich aus dieser abgeschlossenen Geschichte immer wieder etwas herauspicken, es verändern und weiterentwickeln.
Wie würdest du einem Gehörlosen die Musik von a forest beschreiben?
Fabian: Da hilft unser Bandname. Wir werden oft gefragt, ob das etwas mit diesem The Cure-Song zu tun hat – hat es überhaupt nicht. Es ist tatsächlich so, dass dieser Wald und das, was dieser Ort an Assoziationen aufmacht, auch den Sound der Band beschreibt. Der Wald ist ein geschlossener Raum, der aber gleichzeitig durchlässig ist, in dem sich kleinere Räume auftun und quasi so ein kleiner Mikrokosmos herrscht. Ständig flattern Sachen, Details tauchen auf und verschwinden wieder. Und die Musik ist dann die Bewegung durch diesen Raum. Durch den kann man rennen und treiben, aber wir haben auch Momente, in denen wir kurz innehalten und uns auf eine Lichtung setzen.
Du kommst ja ursprünglich aus Jena – welche Rolle spielt deine Heimat für dich heute noch?
Fabian: Meine Heimat ist mir total wichtig. Wir haben ja vorhin über meine Hip-Hop-Jugend gesprochen, meine Schulbandwurzeln, das ist alles Jena. Das war damals ein bestimmtes Umfeld von Leuten – viele von denen machen heute natürlich etwas anderes, aber einige machen immer noch sehr ambitioniert und inspirierend Musik. Clemens von Klinke auf Cinch ist zum Beispiel so jemand von früher. Wir sind auch zu ihm nach Jena ins Studio gefahren, um das Album aufzunehmen. Im Rahmen der Tour haben wir auch im Kassablanca gespielt – das ist der Club, in dem ich so groß geworden bin und das ist dann schon irgendwie special.
Du bist als me and oceans auch solo unterwegs. Ist das ein großer Unterschied, ob man alleine oder in der Gruppe auf Tour geht?
Fabian: Absolut. Wenn man alleine spielt, muss man die ganze Energie aus sich alleine ziehen – sowohl auf der Bühne als auch tagsüber. Mit der Band ist das anders. Es ist nicht nur mehr Energie, sondern mehr als die Summe der Teile. Wenn man a forest sieht, weiß man was ich meine. Jeden Abend entsteht was Spezielles, egal in welche Richtung das kippt – es ist immer ein bisschen mehr, als es eigentlich ist. Aber ich mag es auch, Konzerte alleine zu spielen, weil man dann zurückgeworfen ist auf ganz rudimentäre Dinge.
Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?
Fabian: Wir werden auf jeden Fall noch mehr mit der Plattform experimentieren. Als nächstes laden wir das komplette Album in Einzelspuren hoch und stellen das frei zur Verfügung, mal gucken, was da passiert. Sonst sind Kooperationen mit Künstlern abseits der Musik geplant. Wir wollen, dass der Wald wächst. Und dafür werden wir hart arbeiten. Wir sind total happy gerade, dass mit dem Album und der Tour da wirklich viel geschafft wurde. Ein dreiviertel Jahr haben wir hart an allem gearbeitet und viele Ressourcen verbraucht. Jetzt nach dem Ende der Tour können wir erstmal richtig durchatmen. Ich hab mir ein Wellnesshotel im Harz gebucht. (lacht)
Und dann freuen wir uns aber auch schon wieder auf das Meeting, in dem wir besprechen wie 2015 aussieht – wir haben da schon erste Termine und Remix-Anfragen. Ich freue mich auch darauf, mit Arpen neue Songs zu schreiben. Dadurch dass wir das alles ganz autark mit Analogsoul im Rücken machen, ist es besonders spannend – ich mag es, den Effekt meiner eigenen Arbeit zu sehen. Wenn der dann etwas kleiner ist, als wenn ich dafür viel Geld an andere bezahlt hätte, ist das vollkommen in Ordnung, wenn nicht sogar viel besser. Man merkt, dass da gerade etwas in der Luft liegt und viele Leute es mitbekommen. Also kurz ausruhen und doppelt so gut weitermachen.
Vielen Dank Fabian für dieses interessante Gespräch und viel Erfolg fürs kommende Jahr!
Das Interview führte Marisa Urban.