Plötzlich, am 10. Oktober 2012 verstarb Nils Koppruch. Knapp zwei Monate vorher war das Debut “I” von Kid Kopphausen erschienen. Jener Band, die er gemeinsam mit dem guten Gisbert zu Knyphausen gegründet hatte. Lange und oft davor hat er mit seiner Band Fink oder als Solokünstler tolle Alben und Soundtracks veröffentlicht. Sein malerisches Schaffen sei hier nur am Rande erwähnt (Pseudonym: SAM.).
Seine künstlerische Biographie ist also recht lang und sein Werk umfassend. Umso schockierender kam sein plötzlicher Tod. Hatte man doch gerade das Gefühl, dass da noch einiges, womöglich großes kommen würde…
Musikalisch vor allem beeinflusst von Folk und Americana, schrieb er Lieder voll Melancholie, Hoffnung, Trauer und Wut. Mal eher opulent, mal sehr reduziert instrumentiert. So genoss er zu jeder Zeit den größten Respekt der Hamburger Szene und vielen anderen Menschen da draußen. Dies zeigt sich jetzt sehr deutlich in dem heute erschienenen Doppelalbum “A Tribute To Nils Koppruch + Fink“. Darauf versammeln sich 28 exklusiv eingespielte Nils Koppruch / Fink-Interpretationen diverser bekannter und ein bisschen unbekannterer Künstler. Unter Ihnen Fehlfarben, Olli Schulz, Locas in Love, Kettcar oder Click Click Decker. Andere Namen hat man gelesen, kennt sie vereinzelt oder ist gespannt, wie sie Koppruch interpretieren werden (z.B. Johannes Oerding). Und erfreulicherweise ist Gisbert zusammen mit der Kid Kopphausen Band dabei.
Compilations dieser Art haben ein schwankendes Niveau, so auch diese. Denn oft reichen die Coverversionen bei weitem nicht an das Original heran und/oder die dargebotene Version kann dem Lied keinen neuen/eigenen Aspekt abgewinnen. Wobei das auch wiederum im Ohr des Betrachters liegt. Da es sich ja aber um Tribute, also Ehrerbietung an den Verstorbenen handelt, kann/will man da niemandem ans Bein pinkeln.
Richtig spannend wird es allerdings dann, wenn aus dem Original etwas Neues wird. Wenn der Interpret sich das oft spröde Original zu Eigen macht. Locas in Love machen aus “Der richtige Ort” eine ätherische Hymne für alle Außenseiter (Fun Fact: Die haben 2011 die Single “An Den Falschen Orten” herausgebracht). Oder Günter “Rex” Märtens “Fliegen” ist ein elektronischer Knaller für den Tanzflur nächstes Wochenende. Undsoweiter etc pp.
Dennoch ist “A Tribute To Nils Koppruch + Fink” ein erstaunlich stimmiges Album geworden. Und das muss man bei 28 Liedern erst mal hinbekommen. Sind es Koppruchs Melodien, die das alles zusammenhalten? Oder sind des die Texte, die abseits der Musik den roten Faden ziehen? Die Antwort liegt vermutlich dazwischen und noch woanders.
Kurz mal einen großen Vergleich wagen: Bei Bob Dylan klingt auch vieles eher trocken im Original und es gibt so sau viele gute Coverversionen seiner Lieder. Ob man nun Nils Koppruch als einen deutschen Bob Dylan bezeichnen kann, weiß ich nicht. Verdient hätte er es!
Es gibt genau drei Gründe um dieses Album zu hören: Um vielleicht ein paar neue interessante Künstler zu entdecken, um ein paar tolle Lieder zu entdecken oder als Startpunkt um Nils Koppruchs Kunst für sich zu entdecken. Drei gute Gründe!
Und wir wären kein Konzert-Blog, wenn wir nicht noch auf zwei ganz besondere Termine hinweisen würden. Leider sind sie schon ausverkauft, dennoch:
Dienstag, 2. September im Uebel & Gefährlich: Tim Neuhaus Duo, Gisbert zu Knyphausen & Kid Kopphausen Band, Locas In Love, Niels Frevert, Schöftland, und 1 Überraschungsgast, Moderation: Franz Dobler & Sven Amtsberg
Mittwoch, 3. September im Knust: Click Click Decker, Gisbert zu Knyphausen, Pascal Finkenauer, Torpus & The Art Directors, Sven Bünger, und 1 Überraschungsgastm, Moderation: Franz Dobler & Sven Amtsberg
(GS)
