livekritik.de präsentiert den Chor des Monats: Februar. Das Jahr ist in vollem Gange und hat im Februar richtig Fahrt aufgenommen. Der Monat ist ja bekannt für hohe Konzertdichte, so auch in diesem Jahr. Unsere Erfahrungen und Erlebnisse haben wir hier gesammelt.
*** Chats
With Rats (3.2., Bar227) Der Singer-Songwriter Sascha wurde unterstützt von Martin am Cajon, was den Songs nochmal mehr Würze gab, als zuletzt, als ich ihn solo hörte. Chats With Rats wird auch schonmal mit Brian Fallon von The Gaslight Anthem verglichen und das nicht ohne Grund. Die Stimme, Mimik, Statur und das ein oder andere Gaslight-Cover unterstützen diese Vergleiche. Toller Typ. Da kommt hoffentlich noch viel mehr … auch eigene Songs. (cR) *** Ellie Goulding (4.2., Große Freiheit 36) Ein Herzenswunsch geht in Erfüllung. Die zuckersüße Britin ist tatsächlich so bezaubernd, wie man es erwartet. Die üppige Bühnenshow mit großer Videowand ist optisch ansprechend und beeindruckend. Die Sängerin ist topfit und das Publikum hochmotivert. Ein schwitziger Abend voller schöner Hits, die das Herz lieblich umspülen. Gute Laune. Ein mehr als gelungener Abend! (cR) *** Just Handshakes (04.02., Grüner Jäger): Eine etwas gewöhnungsbedürftige Stimme führt der Britpop-Nachwuchs aus Leeds mit sich. Trotzdem nett und Bonuspunkte für ‚London Bound‘ vom alten Joy Division-Recken gibt’s auf jeden Fall. Mal gucken, was daraus wird … (nsc) *** Satellite Stories (4.2., Indra): Gut gelaunte Schweden bieten dem fast ausverkauften Indra Club eine wunderbare Show. Wer hier heute dabei war, der weiß, dass Satellite Stories nicht umsonst die meistgebloggte Band der Welt sind!
*** The Beards (6.2., Knust) Die verrückten Australier, deren Comedy-Folk-Rock sich ausschließlich um Gesichtsbehaarung dreht, boten prächtige Unterhaltung. Staunen über so viele Bärte, nicht nur auf der Bühne und Muskelkater in den Wangen vom Grinsen. Herrlich. Bartkraulen at it’s best. Bitte ganz bald wieder! (cR) *** Rudimental (8.2., Uebel & Gefährlich) Ein Abend wie ein Wirbelwind, der das ausverkaufte Uebel richtig durcheinander gewürfelt hat, weil alles tanzte, sang, klatschte, glücklich war. Weil Sänger wie Sängerinnnen mit tollen Stimmen den Saal beschallten, weil sie allesamt Spaß auf der Bühne hatten und diese Stimmung sich auf das Publikum übertrug. Während der Zugabenpause wurden die Engländer mit “I can feel the love, can you feel it too, I can feel it ah-ah, I can feel it ah-ah-ah-ah, yeah!”-Gesängen nochmal auf die Bühne geholt. Wider erwarten großartiges, glücklich stimmendes Konzert! (ms) *** Hamburg Sounds mit Tonbandgerät u.a. (10.02., Fabrik): Das Gerät probiert sich vor dem Kartoffelsalat verspeisenden NDR-Publikum aus und hat auch dieses binnen kürzester Zeit im Griff. Die weiteren Künstler des Abends (Konrad Wissman, Annett Louisan) firmieren für den Concert-News-Kritzler eher unter ‚ferner liefen‘ und bleiben unkommentiert. (nsc) *** Wakey! Wakey! und Ron Pope (11.2., Uebel & Gefährlich) Support Alexz Johnson beeindruckende Stimme, Main-Act Wakey! Wakey! verlobt und hochgradig sympathisch, lustig, tolle Lieder,… Ron Pope? Äh, da bin ich nach der Hälfte gegangen. Wer mag 90er Jahre Retropop í la Matchbox 20 mit Bon Jovi Stadion-Attitüde? Genau. Das sehr junge Publikum fand’s allerdings wohl ganz gut. (eh)
*** Maximo Park (12.2., Michelle Records / Docks) Erst in leise und improvisiert bei Michelle, dann in laut und ausgelassen im Docks. Sänger Smith redselig mit eingeworfenen deutschen Vokabeln im Plattenladen, danach Rampensau wie eh und je. Ach und im Docks gab’s auch die alten Hits und alles in tollem Tongewand. Jederzeit immer wieder, ist auch egal wie das neue Album ist oder nicht ist! (eh) *** Maximo Park (12.02., Michelle Records): Vor dem abendlichen Auftritt im Docks stippvisiten 4/5tel Maximo Park Hamburgs schönstes Schaufenster, um sich in die Herzen der Zuhörer im proppevollen Lieblingsladen zu spielen und zu kalauern. Hervorragende Einstimmung auf den Abend! (nsc) *** Maximo Park (12.02., Docks): Einmal mehr beweisen Maximo Park allen Unkenrufen zum Trotz, dass sie noch immer die Besten der 2005er Brit-Bandschwemme geblieben sind. Auch wenn sich ab und an leichte Ermüdungserscheinungen zeigen, können alte & neue Songs die Hörerschaar begeistern und die Band applied dabei mächtig pressure. (nsc) *** Captain Casanova / The Broken Beats (13.02., Nochtspeicher): Zwei tolle Bands am Abend und dann kaum Besucher, es ist ein Trauerspiel. Während Bands wie Drenge abgefeiert werden, stehen also vor den stilistisch ähnlichen und ähnlich guten Captain Casanova gerade mal 25 Besucher. Die liefern trotzdem ein überragendes Set ab und machen den Nochtspeicher zur Arena, die zur ganz großen Pose genutzt werden will und wird. The Broken Beats legen noch ein Schippchen drauf und bringen auch eine überschaubare Menge zum singen und tanzen. Denjenigen, die nicht da waren, sei gesagt: Ihr habt richtig was verpasst! (nsc)
*** Bombay Bicycle Club (13.02., Uebel & Gefährlich) Viele neue Songs, begleitet von einer Backgroundsängerin und einen Backgroundsänger, daran muss sich das Publikum erst mal gewöhnen. Bei Hits wie “Evening / Morning” steht aber keiner mehr still. (dr) *** Future Islands (16.2., Uebel & Gefährlich) Schön gefüllter Club, gut gelaunte Band. Ist der Sänger eigentlich ein bisschen verrückt? Kann sein … Aber auch deswegen ein absoluter sehenswerter, hörenswerter und tanzenswerter Abend. (eh) *** William Fitzsimmons (16.02., Kampnagel) Das Zusatzkonzert für all diejenigen, die im Dezember leer ausgingen. William war bezaubernd wie immer, das Publikum andächtig lauschend und der Mann mit dem Endlosbart beweist damit, dass ruhige Singer- / Songwriter-Musik auch in großem Rahmen funktioniere kann. (dr) *** Gary Numan (17.2., Gruenspan) Er tanzt wie ein Gothicgott und steckt mit seiner Energie alle Anwesenden an. Entzückend auch die Ehefrau, die vom Balkon aus alles mitsingt und fotografiert. Göttlich gut. (tk) *** The Majority says / Temples / Crystal Antlers (17.02., Uebel & Gefährlich): Introducing für lau, da ist der Laden natürlich voll. The Majority says zelebrieren Schweden-Pop bis hin zum Grand Prix-Kitsch und bereiten den Boden für die folgenden und bald mit Sicherheit groß rauskommenden Temples. Die sehen aus, wie ein Querschnitt durch die Musikgeschichte (Robert Smith, Marc Bolan, Bobby Gillespie) und verziehen keine Miene. Akustisch klingt das hingegen so erhaben, dass ich bei den auch guten Crystal Antlers gehe. Manchmal muss man die Reissleine ziehen, um die besonderen Momente noch ne Weile in der Tasche mit sich rumtragen zu können. (nsc) *** Case Conrad (18.02., Musicstar, Norderstedt): Wenn der Tourmanager verloren geht, muss man selbst tätig werden: Case Conrad buchten ihre Tour innerhalb von drei Wochen komplett alleine und spielten in Norderstedt vor vergleichsweise wenigen Zuschauern viele schöne Lieder. (nsc)
*** James Vincent McMorrow (18.2., Knust) Pickepackevoll wars im Knust, Arme an Arme, Beine an Beine, Schultern an Schultern. Alle wollten einen Blick auf den scheuen James erhaschen, ihnen bei seinem Falsettgesang von den Lippen ablesen. Neben den tollen Songs des ersten Albums präsentierte er samt Band seine neuen Songs in einer teilweise tanzbaren Stimmung. Nur tanzen wollte keiner, aber das ist nunmal Hamburg. Schön wars trotzdem. (ms) *** Brother & Bones (19.2., Hafenklang) Nur magere 60 Leute stehen an diesem regnerischen Abend vor der kleinen Bühne, die gut gefüllt wird von dem Equipment der Briten. In der ersten Reihe werden später kreischende Mädchen stehen, die dahinter finden es weder richtig gut noch ganz schlecht. Das Publikum ist skeptisch aber jubelt trotzdem eine Zugabe nebst Black Crows Cover herbei. Beobachten, die durchaus musikalisch professionellen Jungs. (tk) *** Case Conrad (20.2., Astra Stube) Die Schweden, die in Barcelona leben also … Schon damals, als sie als Vorband von O Emperor hier auftraten, blieben sie mir eher im Kopf als die Hauptband, ich war euphorisch und begeistert. So auch jetzt. Nicht nur einfach Musikinstrumente und bewegende Songs, sondern auch noch Xylophon-Klimpern, Schnarren, Kuhglockengeläute, wahnsinnig gut gesungene tolle Songs und erstaunte Gesichter aus dem Publikum. Immer wieder! (ms)
*** 5 Jahre Krach & Getöse (20.02., Knust): Die Vielseitigkeit der K&G – Preisträger aus den letzten 5 Jahren ist beeindruckend. Das beweist dieser, etwas schleppend anlaufende, Abend einmal mehr: Game Ove, Parasite Single, Ein Astronaut, Pool, The Dashwoods und Tonbandgerät. Zwischen Acoustic und Elektronik, Pop und Indie-Rock spielt sich auf den beiden Bühnen einiges ab und lässt einen gelassen auf die Zukunft von Musik Made in Hamburg schauen, denn da ist viel gutes dabei. Happy Birthday K&G! (nsc) *** City and Colour (22.2., Docks) Letzter Termin in Deutschland der Tour und man merkt es: Eine Band, die abspielt statt mit Freude dabei zu sein. Wo waren die Stories, die Dallas Green sonst erzählt? Wo die Gänsehaut-Momente? Schade. (eh) *** Nina Persson (22.02., Saturn Mö): Promotour der Cardigans-Chanteuse im Elektrokaufhaus. Sicher nicht die glücklichste Ortswahl, aber Nina Persson und ihre beiden Begleiter machen das Beste daraus und das heißt: 4 Songs aus Ninas erstem Soloalbum in reduzierten Versionen. Sehr charmant, gewürzt mit lustigen Ansagen und sehr viel schöner als auf ihrem Album, wobei ihr Strahlen sogar den etwas tauben Soundmenschen vor Ort (Drums nur auf einem Kanal, Keyboards viel zu laut) vergessen lässt. (nsc) *** Tonbandgerät (22.02., Emporio Tower): Was an dieser Band so schön ist ist, dass sie immer wieder zu überraschen weiß. Sie spielen mit Instrumentierungen und können laut genau so gut, wie leise. An diesem Abend also akustisch im 23. Stock über Hamburg mit gleich mehreren Songpremieren, die sagen: Macht euch keine Sorgen, die neuen Texte sind genau so schön, wie die alten. (nsc)
*** Nina Persson (23.02. Heimathafen, Berlin): Der große Wurf ist Nina Perssons Soloalbum leider nicht geworden, aber live erstrahlen die Songs sehr viel lebendiger, was sicher an Nina Perssons Charme und der schönen Mischung mit allerlei A Camp-Songs liegt. Von The Cardigans hört man an diesem Abend nichts, dafür aber ein Finale mit Bowie’s “Boys keep swinging”. (nsc) *** ClickClickDecker / Petula (26.2., Uebel&Gefährlich) Wie charmant war das bitte?! Erst der trockenhumorige aber trotzdem irgendwie subtil charmante Sebastian Cleemann aka Petula, der mit seinem Lo-Fi-Loop-Pop nicht alle zum Schweigen bewegte. Kevin Hamann, der mit Oliver Stangl mittlerweile als die Band ClickClickDecker gelten, versteckte sich nicht hinter seiner Nervosität, rief zum Lichtmensch “Lass das Licht aus, ich hab doch Angst zu sehen, wie voll es wirklich ist” und spielte zauberhaft charmant neue und alte Songs, die in der Bandformation (mit Petula-Sebastian am Schlagzeug) ein neues Soundgewand bekamen. Zwischendurch verpasste Einsätze, verkackte Solos, aber drei charmante Künstler zum Liebhaben. Das zurückhaltende Hamburger Publikum goutierten das mit textsicherem leisen Mitsingen. Schön! (ms) *** Egotronic (28.2., Hafenklang): Egotronic sind jetzt zu viert und traten mit der neuen Besetzung erstmals in Hamburg auf. Dass sie trotzdem nichts von ihren Livequalitäten eingebüßt haben, haben sie eindrucksvoll bewiesen. Im Gegenteil sogar: Egotronic sind besser als je zuvor! (fh)