Österreich? Drittes Jahrzehnt ihres Bestehens? Die EAV kann es nicht sein, die sind älter. Rätsels Lösung sind Naked Lunch. Die Klagenfurter haben mal vor Urzeiten wenig Berührungsängste gehabt mit der Konnecke nach Weilheim, verloren einen Bassisten an die Schriftstellerei, trafen Tod, Armut und Teufel und natürlich David Lynch im Geiste.
Dass Naked Lunch sich im Umfeld von (zuletzt auch) Theaterbühnen und leinwandbreiten Epen hin und wieder (auch gezwungenermaßen) neu haben inszenieren müssen, ist die eine hörbare Geschichte. “All Is Fever” hält jetzt trotzdem einige der schönsten Hymnen seit Pulp bereit, wo doch der Fiebertraum als eigentlich eher introspektiv ausgelegtes Planquadrat erdacht war.
Ob das jetzt in die undefinierte Indie-Schublade gehört, ist wahrscheinlich eine Frage, die der Band zurecht zum Halse raushängen dürfte. Und eine, die sie mit ebengleicher großer Geste vom Tableau wischen würde, wie hier zu den Hymnen emporgestiegen wird, ebenso wie im Pop-Fundus nach Strategien gesucht wurde, “All Is Fever” die brennenden Luntenenden direkt hinein in knöcherne Gelenke zu implantieren. Am Ende ist “All Is Fever”, um es mal banal hinunter zu brechen, ein, über viele Wege begehbares Frühlingsalbum geworden. Eines für die Tage indes, an denen die fetten, garstigen Wolken am Himmel etwas mehr Fahrt aufgenommen haben. 10. April | Uebel & Gefährlich | concert-news präsentiert (kel)