Am Pfingstwochenende geht’s endlich los, das Into The Blue Festival im Logo. Mit Clickclickdecker, Herr von Grau, Frau Potz, Susanne Blech, Shemales From Outta Space Of Death, Benjie, und und und. Aber bevor am Freitag und Samstag Abend die Kuh fliegt, haben wir den drei Festivalveranstaltern Sami, Jan und Nik noch ein bisschen auf den Zahn gefühlt. Denn soviel sei verraten: beim Into The Blue Festival regiert der Spirit des DIY – kein großer Veranstalter im Rücken, keine ominösen Geldgeber, Nischte. Nur drei Freunde und eine gute Idee. Eine ziemlich gute sogar. Deswegen haben wir natürlich mal genauer nachgefragt.
Hallo ihr drei! Könnt ihr uns kurz verraten, wer ihr seid und was ihr macht?
Sami: Ich bin hauptsächlich für das Booking und die Bandbetreuung beim Into The Blue Festival zuständig. Jan und Nik kümmern sich größtenteils um die Promotion, aber eigentlich machen wir alles gemeinsam. Ich studiere Kulturwissenschaften, Nik Film und Jan hat gerade sein Abitur gemacht. Freizeitmäßig sind wir alle drei Musiker und spielen unter anderem auch zusammen in einer Band.
Das Into The Blue Festival hat in diesem Jahr seine Premiere, nachdem es letztes Jahr schon ein Warm-Up zur Einstimmung gab, bei dem unter anderem Captain Capa gespielt haben – wie ist die Idee zum Into The Blue Festival denn entstanden?
Sami: Vor zwei Jahren wollten wir mit unserer Band Don’t Eat All The Humans, Please mit einer bekannten Band – deren Namen wir mal besser nicht nennen sollten – zusammen ein Konzert im Kaiserkeller spielen. Aber es war aber ziemlich schwierig, an sie ranzukommen, obwohl wir ihnen sogar Geld dafür angeboten haben, um mit ihnen spielen zu können. Wir haben gemerkt, dass es für kleinere Bands in Hamburg schwer ist, vor einem größeren Publikum zu spielen, wenn man selbst noch nicht so bekannt ist. Deshalb haben wir beschlossen, selbst ein Festival zu veranstalten, das noch nicht etablierten Künstlern ein Forum bietet, um mit schon bekannteren Künstlern zusammen auftreten zu können. Denn in dieser Form gibt es so ein Festival bisher in Hamburg noch nicht. Und es geht uns auch darum, unseren eigenen Musikgeschmack und unser Konzept in der Welt zu verbreiten.
Ihr kündigt das Into The Blue Festival als “Benefizfestival zur Bereicherung der Hamburger Konzertlandschaft”. Was läuft dort denn hier eurer Meinung nach schief?
Sami: In Hamburg spielen meistens nur Bands der gleichen Genres miteinander: also Hardcorebands mit Hardcorebands, Indiebands mit Indiebands, und immer in den gleichen Clubs. Das macht es für neue Bands nicht gerade leicht, sich bei einem größeren Publikum einen Namen zu machen. Wir hoffen, dass wir das mit dem Festival etwas ändern können.
Das Line-Up spricht auf jeden Fall dafür – allein die Headliner Clickclickdecker, Frau Potz und Herr von Grau ziehen ja jeweils ein komplett unterschiedliches Publikum an. Wen von den noch nicht so bekannten Namen würdet ihr uns denn noch ans Herz legen?
Sami: Naja, eigentlich ja alle – sonst hätten wir sie ja nicht ausgewählt (lacht). Es geht eben um das Festival als Ganzes, und nicht um einzelne Künstler. Letztendlich gehen alle in eine musikalische Richtung, in die bekannte Bands auch schon gehen, aber teilweise sind sie wesentlich innovativer. Four Colours aus Hamburg zum Beispiel gehen so in Richtung Editors und sind live richtig gut – haben aber erst um die zehn Konzerte gespielt.
Jan: Unsere Hoffnung ist schon, dass die Leute, die wegen einer bestimmten Bands kommen, dann auch bleiben und sich andere Bands anschauen, die sie sonst niemals gesehen hätten.
Nik: Das spiegelt sich auch im Line-Up wieder. Man hätte ja auch Künstler eines Genres an einem Tag spielen lassen können, aber wir haben das bewusst gemischt.
Ihr möchtet aber auch, dass sich die Leute nicht nur die Bands anschauen, sondern auch eine Möglichkeit zum Austausch bieten – nicht nur über Musik. Wie schafft man das denn, dass sich das Publikum nicht nur unterhalten lässt, wie das sonst bei Konzerten ja meistens der Fall ist, sondern dass die Leute auch ins Gespräch kommen miteinander?
Sami: Das ergibt sich tatsächlich von selbst, wie wir letztes Jahr beim Warm-Up für das Festival festgestellt haben. Da ist zum Beispiel E123 – der dieses Mal auch wieder dabei ist – mit eher sehr linkem Publikum aufgetreten, und danach haben sich die Diskussionen eben einfach entwickelt.
Ihr drei organisiert das Festival völlig unabhängig und zieht da auch ganz alleine durch – wie schafft ihr das?
Sami: Wir sind einfach drei junge Leute, die schon seit Jahren in der Szene unterwegs und aktiv sind. Deshalb trauen wir uns zu, das alleine hinzubekommen.
Nik: Am Wochenende wird sich dann zeigen, ob das alles so klappen wird, wie wir uns das vorgestellt haben.
Davon gehen wir jetzt einfach mal aus! Wenn dann in der Festivalkasse fürs nächste Jahr die 50 Millionen zur freien Verfügung liegen – wen würdet ihr als Headliner 2013 buchen?
Nik: Unser Traum für dieses Jahr waren ja Turbostaat, aber das hat leider nicht geklappt, weil sie schon auf dem Ackerfestival spielen…
Sami: The Cure, Die Ärzte, Tenacious D…
Jan: Ich würde ja die Arctic Monkeys nehmen…
Nik: Echt? Ich mag die nicht.
Ich merke schon, das könnte schwierig werden.
Nik: Unser Prinzip ist ja, dass wir für alle Bands einen Zugang legen wollen. Wenn jetzt Sami sagt, die sind gut…
Sami: …dann sind die gut!
Nik: Naja – aber sie haben auf jeden Fall verdient, auf dem Festival zu spielen.
Interview: (mmk)