Manche Sachen brauchen einfach länger. 24 Jahre lang hatte ich Turbostaat nicht auf dem Schirm. Erst ein sehr guter Freund hat sie mir empfohlen – und kurz darauf standen wir gemeinsam beim ersten Konzert. Ein Vierteljahrhundert Bandgeschichte also, einfach so an mir vorbeigerauscht. Und dann war’s plötzlich da. Dieses eine Konzert. Diese eine Textzeile. Und auf einmal war alles klar: Das hier ist keine Band, die man einfach so hört. Das ist eine Band, die was mit einem macht. Bis ich’s gecheckt hab, hat’s gedauert. Aber seitdem lässt es mich nicht mehr los.
Und jetzt: 22. Mai. Turbostaat spielen wieder in Hamburg. Wieder in der Markthalle. Diesmal im Rahmen der „Alter Zorn“-Tour. concert-news.de präsentiert. Die Vergangenheit ist da. Die Gegenwart schreit.
Mit dabei: neue Songs, die sofort hängenbleiben. „Scheißauge“ – eine düstere Miniatur über erstarrte Gesten, wiederholte Geschichten und das große Graubraun der Zustände. Ein Song wie ein Nebel aus Erinnerung und Erschöpfung, voller Phrasen, die sitzen, weil sie sich verweigern – “fünfzig Wörter für Grau”, und keines davon macht es besser. Oder „Otto muss fallen!“, ein Song, der sich mit schweren Symbolen anlegt – ein riesiger Vater, ein Denkmal, das mehr verdeckt als zeigt. Zwischen Elbetal und Sockelsturz entlädt sich eine dunkle Wucht gegen das Gestern, das sich nicht lösen will. Da brodelt es zwischen Statuenpathos und nationalistischer Härte. “Otto muss fallen” als Ruf gegen das immer Gleiche, das sich immer wieder aufbaut. Stück, das brodelt und nachhallt, mit dieser typischen Turbostaat-Spannung zwischen Unruhe und Struktur. Die neuen Stücke zeigen: Turbostaat ruhen sich auf nichts aus. Sie setzen fort, was sie sich über Jahre aufgebaut haben – aber lassen es neu klingen, ohne sich zu verlieren.
Hier endete vor wenigen Monaten auch ihre große 25-Jahre-Tour. Nach acht Abenden, acht Städten, jede Platte eine eigene Show. Und dann „Alter Zorn“ als Abschluss der Reihe in Hamburg. Ein Album, das wie ein Fazit klingt – und gleichzeitig wie ein neuer Anfang. Die Wut ist geblieben, aber sie hat an Tiefe gewonnen. Schroffer, klarer, ohne Umweg. Jetzt gehen sie damit auf Tour. Am 22. Mai spielen Turbostaat wieder in der Markthalle. Und auch wenn der Fokus auf der neuen Platte liegt: Die Hoffnung bleibt, dass da noch was Altes aufblitzt. „Arschkanone“, „Boot-Mannöver“ „Insel“, „Urlaub auf Fuhferden“, diese Songs – und das ist nur ein kleiner Ausschnitt, die einem plötzlich wieder einfallen, wenn man nachts heimläuft und alles still ist.
Bock auf alten Zorn? Tickets findet ihr hier.
(km)
Foto: Andreas Hornoff
