“Liebe Christiane Rösinger. Wenn ich es wirklich wollte, wären alle, wirklich sämtliche Wände bei mir zuhause mit deinen Zitaten … ach, mit sämtlichen Liedtexten von “Lieder ohne Leiden” vollgekritzelt. Und von “Songs of L. and Hate” sowieso schon. Auch auf dem Scheißhaus, in der Duschkabine, unter dem Bett und innen im Kühlschrank. Weil das die Mitbewohnerin (noch) nicht ganz gut haben kann (und eine unlesbare Handschrift ihr Eigen nennt), probiere ich das doch wenigstens in meiner schrägen Vorstellung von sauberer Druckschrift mal aus und bespiele unsere Mietwohnung mit virtuellem Edding. Apropos “Eigentumswohnung”: Hat jemals irgendwer charmanter über Gentrifizierung oder “The Joy of Aging” abgehandelt als du? Danke.”
Ok, hier jetzt tatsächlich mit den oben zerfurchten Zitaten zu beginnen, das täte ausarten von Kreuzberg bis nach Meppen. Wie die Rösinger raunzt und ranzt. Wie sich die Blätter neun, ganz bis in das oberste Stockwerk gefüllte, Lieder lang umherdrehen. Und wie dieselben lyrischen Federstriche aus Berlin und Würzburg randvoll beschrieben zu Boden schweben. “Statt einer neuen Platte, pflanz‘ ich Blumenrabatte” ist nur eines von vielen köstlichen Hochlichtern im “Lob der stumpfen Arbeit”. Musik zu der du Kaugummi kauen musst bis aus frischer Minze nur noch ein fieser Klumpen auf dem Asphalt verbleibt. Andere kaufen sich Merz Spezial Dragees gegen unreine Haut. Ich gehe am 4. April ins Uebel & Gefährlich. Wohin sonst? (kel)